Vom Briefboten zum Landsherr
Spätestens nach dem ersten überstandenen Raubüberfall wird klar, dass es so nicht weitergehen kann. Sinnvolle Anlaufstellen sind somit grosse Städte, die mit Marktplätzen, Schänken und Arenen zum Verweilen einladen. Den Wirtshäusern kommt neben der Übernachtungsmöglichkeit eine weitere Funktion zu. Hier könnt ihr nämlich Truppen anheuern, vorausgesetzt, euer Geldsäckel ist ausreichend gefüllt. Kavallerie, Schwertkämpfer und Bogenschützen verlangen nämlich einen stolzen Einstiegsbetrag und wollen zusätzlich wöchentlich ihren Sold erhalten. Das könnt ihr euch zu Beginn kaum leisten, zumal die eigene Privatarmee auch noch verpflegt werden muss. Lebensmittel müssen eingekauft werden, möglichst variantenreich, um die Truppenmoral auf einem hohen Niveau zu halten. Honig, Obst, Rindfleisch und Schweinebraten wären etwa eine gehaltvolle Kombination.
Euch bleibt also erst mal keine Wahl. Statt erfahrener Recken müsst ihr euch anfangs mit Grünschnäbeln zufriedengeben, die ihr in umliegenden Dörfern anheuert. Doch das macht nichts, denn selbst mit acht Bauernjungen als Geleit werdet ihr nicht mehr von jeder dahergelaufenen Plünderergruppe angegriffen. Kleinere Banden suchen respektvoll das Weite, wenn ihr in der Nähe seid. Immerhin etwas, zumal ihr mit eurer vergleichsweise lächerlichen Armee schneller und effizienter vorankommen könnt.
Um überhaupt halbwegs Fuss in Calradia fassen zu können, werdet ihr die ersten Spielstunden als Laufbursche tätig sein. Briefbotengänge für Fürsten, Lebensmitteleinkäufe für Dorfälteste, aber auch Mordaufträge und Schuldeneintreibungen gehören zu euren Aufgaben. Dabei bleibt es gänzlich euch überlassen, ob ihr euch auf ein bestimmtes Königreich spezialisiert oder als Freiberufler quer durchs Land reist. Mit Letzterem werdet ihr vielleicht reich, aber sicher nicht mächtig. Also ist es durchaus empfehlenswert, dass ihr euch bei Fürsten einer bestimmten Fraktion einschleimt.
Ist euer Ansehen hoch genug, bekommt ihr einen Landsknechtvertrag angeboten, der euch zunächst zeitlich befristet an ein Königreich bindet. Hierdurch bekommt ihr gewisse Privilegien und stärkt euer Vertrauen zu bestimmten Personen. Die Chance auf lukrativere Aufträge wächst, und gleichzeitig dürft ihr verbündeten Fürsten bei Burgbelagerungen und Gefechten zur Seite stehen. Das Ende der Karriereleiter stellt der Vasall dar. Erst in dieser Position ist es euch gestattet, eigene Ortschaften zu annektieren und zu verwalten. Bis dahin ist es aber ein extrem langer Weg.
Rollenspiel extrem
Kommen wir zur Charakterentwicklung, die wie der Rest des Spiels recht komplex ausgefallen ist. Es gibt zwei Teilbereiche, die sich aufeinander auswirken. Die Hauptattribute wie Stärke, Wendigkeit und Intelligenz wirken sich auf Fertigkeiten wie Waffenkünste, Erste Hilfe, Handel und Truppenverwaltung aus. Hiermit wird festgelegt, wie gross eure Armee sein darf, wie viele Gefangene ihr nach Schlachten machen könnt, welche Preise die Warenhändler euch machen und wie schnell nach Gefechten die Wunden eurer Spielfigur sowie eurer Einheiten heilen. Diese Vielfalt ist nicht etwa ein Placebo, sondern hat tatsächlich einen spürbaren Einfluss auf die Spielbarkeit.
Steigert ihr etwa in erster Linie eure Fähigkeit, mit Einhandwaffen und Schilden umzugehen, könnt ihr in Kämpfen Mann gegen Mann spürbar schneller attackieren und abblocken sowie deutlich höheren Schaden anrichten. Spezialisiert ihr euch auf eine Waffenart, müsst ihr nicht mal bis zum nächsten Stufenaufstieg warten, bis ihr euren Umgang mit dieser verfeinern könnt. Schon die reine Nutzung einer Waffenart erhöht nämlich schon den entsprechenden Fertigkeitenwert. |
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