Fazit von Severin Auer
Heavy Rain ist ein grossartiges Movie Adventure. Ein wahrlich beeindruckendes Videospiel, das man wohl besser als interaktiven Film bezeichnen sollte. Der Spieler ist Zuschauer und Regisseur zugleich in einem düsteren und emotionalen "Whodunit"-Trip. Die Mise-en-scène, die Kameraführung, die Musikuntermalung, die Schauspielleistungen, die detaillierte Grafik und nicht zuletzt die ausgeklügelte Storyführung schicken den Spieler in ein knapp zehnstündiges Abenteuer, in dem keine Zeit bleibt, um lange über eine Situation nachzudenken. Entscheidungen müssen getroffen und die daraus folgenden Konsequenzen getragen werden. In jeder Szene wird eine hohe Aufmerksamkeit verlangt. Jederzeit können Quick-Time-Events die Bereitschaft des Spielers abfragen. Das Spiel funktioniert aber nicht wie ein "Schienen"-Shooter mit blossen Reaktionsspielchen, während die Figur durch Areale geschleust wird. Vielmehr übernimmt man in einzelnen (Film-)Szenen die Rolle des Schauspielers und meistert diese auf individuelle Weise.
Heavy Rain weist keinen hohen Schwierigkeitsgrad auf, was nicht bedeutet, dass das Durchspielen ein Selbstläufer werden wird. Vielmehr liegt es an der gewählten Inszenierung als interaktiver Film, dass der Game Over-Bildschirm verbannt wird und das Spiel selbst dann weitergeht, wenn einer der Hauptcharaktere stirbt. Rätsel und etwas Detektivarbeit sind vorhanden, jedoch sind die Antworten meist offensichtlicher Natur oder werden mit Hilfe der Kameraposition so in Szene gesetzt, dass man sie kaum übersehen kann. Entsprechend ist die grosse Leistung von Heavy Rain diejenige, dass das Spielerlebnis, trotz einzelner Ladebildschirme, tatsächlich wie aus einem Guss wirkt. Es geht immer irgendwie vorwärts, wie ein Film, der sich unweigerlich seinem letzten Frame nähert. Allerdings mit dem bedeutenden Unterschied, dass sich einzelne Szenen und das Ende je nach Verhalten des Spielers verändern.
Wer Fahrenheit gespielt hat, weiss, was ihn auf spielerischer Ebene erwartet. Bereits damals gab es Kritiker, die die Banalität des Steuerungskonzepts bemängelten und umgekehrt euphorische Stimmen, die das Spiel als gelungene Schnittstelle zwischen Game und Film feierten. Entsprechend wird auch Heavy Rain polarisieren, aber man muss ja nicht jedes Genre mögen. Die Immersionsleistung, also das Eintauchen und die Identifikation mit den Spielfiguren, ist zudem unglaublich hoch ausgefallen und lehrt klassischen Videospielen in diesem Bereich das Fürchten. Wer sich auf ein neues Shenmue freut, sollte sich etwas von dieser Vorstellung lösen. Heavy Rain setzt zwar auf Realismus und QTEs, ist in der zeitlichen Struktur aber sprunghaft, im Spielablauf linear (vorwärts gerichtet) gehalten, verzichtet auf eine offene Welt und trumpft vielmehr mit einer verschachtelten und veränderbaren Geschichte, die den Spieler auch mit unterschiedlichen Charakteren emotional stark bindet. Heavy Rain bietet ein besonderes Erlebnis, das mit Blick auf den aktuellen Videospielmarkt konkurrenzlos da steht.
Fazit von Ettore Trento
Eines vorweg: den erhofften Durchbruch im Erzählstil bei Videospielen bringt auch Heavy Rain nicht mit sich. Vielmehr illustriert die vom Quantic Dream-Gründer David Cage geschriebene Geschichte des Titels mit ihren zahlreichen Ungereimtheiten und Logiklöchern noch einmal das dringende Bedürfnis nach professionellen Schreiberlingen in dieser Industrie. Besonders das Ende des Spiels wird vielen Zockerinnen und Zockern als hanebüchen und unsinnig aufstossen. Doch wenn es nicht die Geschichte an sich war, die mich bei Heavy Rain dermassen an den Bildschirm gefesselt hat, dass mir selbst nach mehreren Spielstunden kein einziges Mal der Gedanke ans Ausschalten der Konsole durch den Kopf ging, was war es dann?
Egal, ob man den Titel nun als Videospiel, interaktiven Film, spielbares Buch oder eine beliebige andere mediale Mischform bezeichnen will - Heavy Rain zelebriert einen einzigartigen atmosphärischen Stil, der seine Enterhaken von der ersten Spielminute an tief in mein Hirn gegraben hat. Nicht der Zusammenhang der Geschichte oder ein gelungener Spannungsbogen waren es, die mich gefesselt haben, sondern die Tatsache, dass jede einzelne Szene des Spiels eine in sich stimmige Atmosphäre erzeugt, die organisch und lebendig wirkt. Dazu tragen natürlich auch die fast unheimlich realistisch wirkenden Spielfiguren ihr Übriges bei. So ist Heavy Rain für mich abschliessend eine mittelmässige Geschichte, die in unglaublich effizienter Weise erzählt wird. Hier zeichnet sich ein Genre ab, welches sich unabhängig von etablierten Spielkategorien zu behaupten weiss und durchaus sein spezifisches Publikum finden dürfte. Heavy Rain ist der bislang ausgefeilteste Vertreter dieses Genres und trotz einiger logischer Schwächen von Anfang bis Ende geniessbar. Wer eine PlayStation 3 sein Eigen nennt, muss hier zuschlagen!
Review Lesen - Seite 1
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| Gesamtwertung: |
GBase Score:
10.0 |
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Sehr Gut |
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Sehr Gut |
| Bedienung: |
Sehr Gut |
| Langzeitmotivation: |
Sehr Gut |
| Herausforderung: |
Gut |
| Spieldauer: |
Befriedigend |
| Multiplayer: |
nicht verfügbar |
| Preis/Leistung: |
Gut |
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