Rise of the Argonauts: Review
Kein Komfort? Kommt vor!Dass die Charaktersteuerung für die Tonne ist, ist eigentlich schon schlimm genug. Leider mangelt es aber der gesamten Menüführung an Komfort. Um eine Landkarte aufzurufen und zu schauen, wo sich ein Quest-Geber oder Ziel befindet, müssen wir zunächst ins Hauptmenü, um dort dann mit der Maus die Karte aufzurufen. Hotkey? Fehlanzeige! Doch es geht noch komplizierter: Viel Spass bei der Charakterentwicklung, wenn nicht zufällig ein Schrein in der Gegend herumsteht. Hauptmenü aufrufen, Attribute anklicken, Gottheit auswählen, Erfolge investieren, Wunschfertigkeit auswählen, Escape, Frage bestätigen, dass aktive Fertigkeit zugewiesen werden soll, aktive Fertigkeit zuweisen, Escape, Escape, mit Maus auf Zurück klicken, fertig. Ja, liebe Leser, einfacher geht es doch nicht mehr, oder? Besonders toll ist in diesem Zusammenhang der sanfte, langsame Ausblendeffekt der Menüs, der das Verfahren noch hinauszögert. Herrlich, aber wir haben ja Zeit!
Technik, die begeistert?Man kann nicht behaupten, dass die Unreal-Engine 3 hier ihr Bestes gibt, aber es reicht noch für solide Schauplätze. Manche Texturen wirken geradezu plastisch, werden dafür aber einen Tick zu häufig verwendet. Manche Böden und Wände sind mit Steinplatten gesäumt, die alle exakt dieselben Schäden und Verschmutzungen aufweisen. Ähnlich sieht es mit Charaktermodellen in den Städten aus, die teils aus Mehrlingsfamilien entstammen zu scheinen, so ähnlich sehen sie sich. Dieser Einheitsbrei kostet Atmosphäre. Dafür gibt es aber ein paar schicke Orte mit stimmungsvollen Lichteffekten, Wasserfällen und einem Tagesablauf nachgehenden Einwohnern. Kinder spielen auf der Strasse, Händler bieten ihre Waren an und hier und da ist auch mal ein Streit zu schlichten.
Leider haben die Entwickler die Engine nicht besonders optimiert. Selbst auf unserem Testsystem mit Core 2 Duo 3.2 GHz, 4 GB RAM und Radeon HD4800 mit 1 GB kommt es zu regelmässigen kurzen Nachladerucklern. Feineinstellungen für Grafikdetails fehlen leider völlig, lediglich die Auflösung kann angepasst werden. Somit ist es auch nicht möglich, die teilweise fehlerhaften, hässlichen Schatteneffekte abzuschalten. Nervtötend können im Übrigen auch die vielen Ladesequenzen sein, welche von der dichten Erzählweise eingeleitet werden. Es gibt Orte, da werden alle paar Schritte lang Zwischensequenzen ausgelöst. Das ist einerseits löblich, reisst uns andererseits aber zu heftig und häufig aus dem Spielgeschehen heraus. Hier wären normale Skriptereignisse im Spiel à la Half-Life 2 vielleicht nerven- und zeitschonender gewesen. Und dass die gelegentlichen Abstürze schon aufgrund der eigenwilligen Speicherfunktion aufs Schärfste verurteilt gehören, erklärt sich von selbst. Hier wird hoffentlich noch mit einem Patch nachgebessert.
Die deutschen Sprecher sind, wie schon erwähnt, im Kern nicht übel, doch wurden manche Charaktere nicht optimal besetzt und manche Dialogreihen undurchdacht erstellt. Wer einmal gegen Medusa gekämpft hat und sich alle paar Sekunden den Spruch "Wie das kitzelt!" in einer Krächzstimme anhören musste, wird am liebsten gegen das Boxensystem treten wollen. Auch hier stellt sich wieder die Frage, wer von den Entwicklern das verbrochen hat. In die Kategorie "Kurios, aber witzig" fällt da schon das Orakel, das alle paar Dialogzeilen mit einer völlig anderen Stimmlage spricht. Ob da jemand an multipler Persönlichkeitsstörung leidet?
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