Daedalic Entertainment: Interview zur Firmengründung
In diesem Frühjahr ist die deutsche Videospiel-Landschaft um einen Namen gewachsen: Mit Daedalic Entertainment hat sich in Hamburg ein neuer Entwickler gegründet, der in seinen Spielen vor allem gute Geschichten erzählen will. Dabei stecken hinter der Firma durchaus keine Unbekannten: Geschäftsführer Carsten Fichtelmann war zuletzt lange Jahre bei dtp entertainment als Marketing Director und Leiter des Produktmanagements beschäftigt, Creative Director Jan Müller-Michaelis ist als Filmschaffender und Game Designer im Hamburger Raum ein Begriff. Wir habe uns mit Carsten Fichtelmann über den Prozess der Firmengründung unterhalten.
Hallo Carsten. Du hast schon einige Jahre Erfahrungen in der Computerspiel-Branche gesammelt. Bitte erzähle uns doch kurz etwas über deinen Werdegang.Hallo! Bevor ich mich Anfang dieses Jahres mit Daedalic selbstständig gemacht habe, war ich knapp sechs Jahre beim Publisher dtp Marketing Director und Leiter des Produktmanagements. In meiner Zeit haben wir dort viele moderne Adventure-Klassiker veröffentlicht, wie Runaway, Black Mirror, Nibiru, Sherlock Holmes und zuletzt Dreamfall. Vorher war ich unter anderem Marketing Director bei der UFA Kinowerbung, Geschäftsführer einer Beratungsagentur sowie Chefredakteur diverser Fachmagazine aus dem Marketingbereich. |  |
Hat dir deine Erfahrung - abgesehen natürlich von den vorhandenen Kontakten - bei dem jetzigen Neuanfang geholfen?
Ja klar! Es ist unabdingbar, den Markt genau zu kennen und bei dtp hatte ich die Möglichkeit, Erfahrung in allen Bereichen eines Publishers von Vermarktung, Produktauswahl, PR und Producing zu sammeln. Gleichzeitig sind über die Jahre natürlich unzählige Ideen zusammengekommen, die ich jetzt selber umsetzen kann. Die Kontakte - auch internationale - die über einen solchen Zeitraum entstehen, sind tatsächlich auch von unschätzbarem Wert.
Wer war an der Gründung beteiligt, nur Mitarbeiter oder auch irgendwelche externen "Investoren"?
Gegründet wurde Daedalic Entertainment zusammen mit meinem Mitgesellschafter Jan Müller-Michaelis. Jan hat Erfahrung als Autor und Regisseur gesammelt und mit seiner Diplomarbeit über das "Computerspiel als nichtlineare Erzählform" Grundlegendes für das Design von narrativen Spielen (also solchen, bei denen die Handlung eine herausragende Rolle einnimmt, Anm. d. Red.) geleistet. Als Creative Director von Daedalic ist er für den kreativen Part verantwortlich: Game Design, Storywriting etc.
Wir haben zunächst selber Geld in das Unternehmen gesteckt und hatten auch zwei kleinere Finanziers in der Hinterhand, damit konnten wir starten. Als nun noch die Prototypenförderung über 100.000 Euro von der Stadt Hamburg dazu kam, konnten wir natürlich schneller Gas geben und gleich ein paar Leute mehr einstellen. Derzeit besteht unser Team aus sieben Personen, unterstützt von weiteren acht Freiberuflern. Geldgeber sind natürlich stets willkommen, wir wollen aber auf jeden Fall unabhängig bleiben.
Wie hat man sich so einen Gründungsprozess vorzustellen? Wie lange braucht es von den ersten handfesten Schritten bis zum eigentlichen Entwicklungsbeginn des ersten Spiels?
Los ging es direkt nachdem ich dtp zum Ende des letzten Jahres verlassen hatte. In den ersten Wochen haben wir einen umfangreichen Businessplan erstellt, der nicht nur die grobe Idee des Spiels wiedergibt, sondern vor allem auch das Projekt kaufmännisch darstellt. Was soll entwickelt werden? Wer soll es kaufen? Was soll es kosten? Welche Mitarbeiter braucht man dafür? Welche Qualifikation und Eigenschaften müssen diese Mitarbeiter mitbringen? Gibt es Konkurrenz? Wer ist die Konkurrenz? und so weiter.
Offiziell gegründet hat sich die Daedalic Entertainment GmbH dann im März, in den folgenden zwei Monaten haben wir unsere Personalstruktur aufgebaut und waren in Pre-Production unseres Spiels. Aktuell sind wir nun in der ersten Produktionsphase - sehr spannend, denn es gibt jeden Tag neue Sachen zu sehen. Wir arbeiten ausserdem noch an weiteren Projekten, unter anderem an einem Spiel für Nintendo DS. |
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 Jan Gieseler
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