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GBase: Special Zeit für die Spielerrente?

  Personal Computer 

Das Ende ist nah? Es scheint so weit zu sein, die Spielerrente wird offenbar in absehbarer Zeit von mir beantragt werden müssen. Mit Mitte 40 bin ich im Rentenalter für Spieler angekommen? Ja, denn die veralteten Konsolen habe ich schon lange abgeschaltet und verkauft. Die neue Generation interessierte mich kurz, doch zum Kauf kam es trotz einiger Flirts in Onlineshops und im Kaufhaus in der Stadt dann doch nicht. Meine Handhelds verstauben liebevoll im Regal, etliche Spieleverpackungen habe ich in Kartons verpackt und bereits in den Keller getragen. Auch der vor einem Jahr noch gekaufte PC verkümmert allmählich, schreit mich in seinem Schmerz förmlich an wegen fehlender Updates. Ich sitze am Flughafen, sehe auf dieser Welt jüngere Leute auf ihrem Handy hektische Aufbauspiele daddeln und verdrehe die Augen. "Früher war alles besser!", ist mir mehr als nur einmal in Gedanken rausgerutscht. So muss es sich anfühlen, das Leben als Spielerrentner.

Wie konnte das nur passieren? Eben war ich noch aktiver NHL-Ligaspieler, habe mich stundenlang mit Freunden in Diablo ausgetobt und an kalten Herbsttagen alleine den Witcher durch Abenteuer geführt. Die Spieleabende mit Freunden wurden auch seltener, was angesichts von Wohnortswechseln und Familiengründungen auch nachvollziehbar ist. Warum sollte ich mir also eine neue Konsole kaufen? Die Spielelibido versagte mehr und mehr. Gibt es so etwas wie ein Spieleviagra? Und wenn es das gäbe, würde ich es dann überhaupt schlucken? Vielleicht liegt es ja an meiner Tätigkeit als Spieletester. Seit 20 Jahren schreibe ich nun über Spiele – mag da die Übersättigung herkommen? Das wäre vor ein paar Jahren noch unvorstellbar gewesen, konnte mir unser Chefredakteur noch einen ganzen Stapel an Sportspielen zum Test zuteilen und ich hätte immer noch um mehr gelechzt. Da kommt ein Rollenspiel-Schwergewicht zum Test? Ach, her damit, das werd' ich schon packen am Wochenende. Aber irgendwie glaub' ich nicht an die Übersättigungstheorie. Ich spiele ja noch, aber es hat sich etwas verändert.

Es kam schleichend, entwickelte sich wie eine Art kriechendes Fiebervirus, das allmählich die Lust aufs Spielen grundlegend veränderte. Fast so wie die Freude an Brettspielen in den 1980er-Jahren verebbte und durch den C64 abgelöst wurde, kam zunehmend eine Müdigkeit auf, die mich sowohl bei Tests als auch beim privaten Daddeln langsamer werden ließ. Bemerkt habe ich es aber erst spät. Ich wünschte mir zum Geburtstag den dritten Teil der Witcher-Reihe von meiner Frau. Bereits bemerkenswert, dass ich den Teil noch nicht hatte, denn mein letzter Geburtstag war Ende November. Also gut ein halbes Jahr nach Erscheinen installierte ich mir das Spiel. Früher wäre das undenkbar gewesen! In den 1990ern wäre ich direkt am Veröffentlichungstag – oder optimalerweise einen Tag zuvor – im Kaufhaus gewesen und hätte den Verkäufer überredet, mir die Verkaufsversion bereits unter anderem Namen zu verkaufen.

Doch nun war ich ganz entspannt, freute mich aber dennoch, als ich das Spiel installierte. Ich fand es großartig, erfreute mich an den Missionen und verspürte auch die Lust auf den Gedanken "Nur noch diesen einen Abschnitt erledigen!". Doch meistens speicherte ich ab, schickte den PC und mich selbst schlafen und machte lieber einen Tag oder zwei Tage später weiter. Die Abstände wurden aber größer. Bald schon spielte ich den Titel nur noch am Wochenende – und es machte mir nichts aus! Im Gegenteil: Ich freute mich darauf, das Spiel regelrecht zu genießen. Vielleicht spielte dabei doch der Zeitdruck eine Rolle, dem man als Tester so lange ausgesetzt war in den Jahren. Und so spielte ich den Hexer in sechs Monaten durch. Sechs Monate! Wenn ich überlege, wie lange ich früher an Baldur's Gate, Neverwinter Nights oder anderen Titel saß, ist das eine verdammt lange Reise. Doch ich habe sie in allen Zügen genießen können. Fast war es so, als ob ich mit einem kleinen Schiffchen auf eine Bummelreise ging. Die PC-Weltreise für Spielerrentner? Da ist er wieder, der schlimme Gedanke.

Ich erinnere mich noch gut, als bei mir die Lust auf Shooter verebbte. Zu bunt, zu schnell, zu wuchtig wurden mir die Effektbombast-Titel. Mein Tempo war schon immer eher Half-Life – Quake, Doom und andere Titel waren mir damals schon zu rasant, zu hektisch. Und irgendwann interessierten mich die Shooter dieser Welt gar nicht mehr. Und "gar nicht" meine ich auch ernst: Der letzte durchgespielte Shooter auf meinem PC war Tron – und das auch nur, weil ich den Film so mag. Und jetzt? Jetzt ist mein Fernseher ernsthaft nur noch für Filme, Sport und Serien da? Es sieht so aus. Während ich dies schreibe, lädt Steam eine neue Preview-Version eines Aufbautitels. So ganz in Rente kann ich noch nicht gehen, vorher kommt ja noch die Altersteilzeit. Und da bin ich bereits mittendrin.

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Markus Grunow

 
Markus Grunow am 31 Mai 2016 @ 19:59
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