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F1 2015: Review

  Playstation 4 

Codemasters und die Formel 1 einen viele Parallelen: Beide sind aus Sicht ihrer Fans nur noch ein Schatten ihrer selbst, sie leben vom Esprit vergangener Tage und bieten heuer nur ein steriles, auf den Massengeschmack ausgerichtetes Produkt an. Und egal, was man ändert: Die Fans gehen von der Fahne. Auf das neue Spiel zur F1-Saison 2015 trifft dies ebenfalls zu, was auch daran liegen könnte, dass es dieses Jahr einige Monate früher kommt, als gewohnt.

Überkandidelte Piloten, unverständliche Technik

Was hat sich die Formel 1 in den letzten Jahren nicht geändert: Vor 2009 waren die Boliden pfeilschnelle Monster mit ungeheuren Flügelauswüchsen. Als die neue Aerodynamik ein Jahr später Einzug hielt, sah das Starterfeld aus wie die örtliche Schneepflug-Tuning-Szene, brachte mit dem höchst sympathischen Brawn-Team aber einen Aussenseiter zur Fahrer- und Konstrukteurs-WM, der die versammelte Konkurrenz deklassierte. Es folgten die vier dominanten Jahre des Brauseherstellers RedBull, ehe Mercedes aufgrund einer Motorennovelle vergangenes Jahr zum Serien- und Rekordsieger wurde und aktuell mit Lewis Hamilton den Weltmeister stellt.

Doch statt all die Änderungen und Rückwärtsrollen (man denke nur an den angeblasenen Diffusor) der Spannung zuträglich waren, herrscht gähnende Langeweile. Es siegt meist Mercedes, die Konkurrenz rollt hinterher. Und wenn dann doch die verbliebenen Fans Interesse am eigentlichen Sport zeigen, müssen sie mindestens ein Grundstudium in Ingenieurswissenschaften absolviert haben. Wer sonst kann mit KERS, DRS, MPU, MGUH oder MGUK etwas anfangen? Eben.

Den technischen Sachverstand benötigt ihr in F1 2015 von Codemasters nicht – und eigentlich auch keine grossartigen Kenntnisse über den Sport selbst. Ihr fahrt als einer von 18 Fahrern der 2015er-Saison durch die Botanik und sichert euch bei entsprechender Punktzahl die WM-Krone. Moment, mögen Fans denken, es sind doch aber 20 Fahrer am Start? Das stimmt, was Codemasters aber nicht davon abhielt, Manor-Marussia als "Nachrücker-Team" nur via Patch nachzuliefern. Verfügt ihr über keine Internetverbindung, bleibt John Booth' kleiner Rennstall aussen vor und die McLaren im alten Chromlack. Schlimmer noch wiegt allerdings, dass ihr in der Disc-Version nur in den Genuss von Wagen kommt, denen die 2015er-Nase (gestaltet nach neuen Regularien) an das Vorjahresmodell gepappt wurde. Wieso man sich für eine solche Lösung entschieden hat, bleibt schleierhaft.

Als "Ausgleich" (beziehungsweise Bonus, wie Codemasters im Klappentext schreibt) liegt das komplette Starterfeld der 2014er-Saison bei, einschliesslich des mittlerweile bankrotten Caterham-Teams. So schön die Idee ist, auch sie wurde nur halbherzig umgesetzt. Und so besucht ihr in der vergangenen Saison einen Streckenkalender, der sämtliche angedachten und bereits ausgeführten Streckenumbauten des laufenden Jahres beinhaltet. Das ist nicht sonderlich authentisch, aber eben auch nur ein "Bonus". Analog dem Bemühen, im 2013er-Spiel klassische Rennwagen der 1980er- und 1990er-Jahre zu integrieren und Michael Schumachers Debüt mal flugs um einige Jahre zurückzudatieren. Nur um auf Krampf den Content aufzubauschen.

Keine neue grafische Opulenz

Von solchen Nebensächlichkeiten einmal abgesehen, verführt das aktuelle Rennspiel in den ersten Momenten zu einigen Aha-Effekten. Der Umzug von der alten Generation auf die Flaggschiffe Xbox One und PlayStation 4 ist der grafischen Qualität eindeutig zuträglich gewesen. Die Wagen sehen ihren Originalen erstaunlich ähnlich, Sponsorensticker sind nicht mehr verwaschen oder grob verpixelt, und die Fahrer im Monocoque wurden via 3D-Scanning für den digitalen Auftritt aufbereitet – leider mit einer Mimik, die so steif und ausdruckslos ist, als ob sie kiloweise Botox gefressen hätten.

Die Strecken können jedoch nicht mithalten und bleiben um einige Klassen hinter den Spitzenreitern Project CARS und Asetto Corsa zurück. Was nicht heisst, dass sie schlecht aussehen – aber etwas zu steril und damit langweilig, selbst wenn Spielereien wie die pulsierende Leuchtfassade des Hotels in Abu Dhabi oder die einsetzende Beleuchtung Bahrains bei einer Fahrt vom Sonnenuntergang in die Nacht durchaus zur Atmosphäre beitragen. Richtig gut sieht F1 2015 nur aus, wenn es zu stürmen und regnen beginnt. Das Spray des Regens, die stehenden Pfützen, die blendenden Rücklichter machen richtig was her.

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Daniel Wendorf

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Daniel Wendorf am 17 Jul 2015 @ 14:21
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