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Tom Clancy's The Division: Review

  Playstation 4 

Tom Clancy's The Division ist ein lang erwarteter und herbeigesehnter Titel? Mag sein. Leider aber auch eines jener Spiele, die in sich so widersprüchlich und verdreht sind, dass man die Formel, nach der es funktioniert, nicht in einem oder zwei Sätzen zusammenfassen kann. Immerhin: Es funktioniert – und überrascht. Positiv wie negativ.

Die USA in der Vorweihnachtszeit. Am Black Friday – traditionell dem Tag des Exzesskonsums – drängen sich die Menschen zu Millionen in die Filialen aller nur erdenklichen Geschäfte. Schnäppchen hier, Schnäppchen da, das Geld wechselt munter seinen Besitzer und nur wenige Tage später grassiert eine Epidemie, die sich in Windeseile im Rest der US of A und auf dem Erdenrund ausbreitet. Ein Zufall? Mitnichten. Eine Terrorgruppe hat die 20-Dollar-Note – das weitverbreitetste Zahlungsmittel in den Staaten – mit einem neuartigen Virus kontaminiert. Nach Millionen von Todesopfern beruhigt sich die Lage, zwangsläufig. Die Überlebenden in den Großstädten siechen dahin, resignieren oder versuchen, Gesetz und Ordnung durch eine Willkürherrschaft und Anarchie zu ersetzen. Aber es gibt ja noch The Division, eine Schläferzelle der guten Art. Jene ein Leben lang trainierten Männer und Frauen werden dann aktiv, wenn ein Notfall die Kapazitäten aller Staatsorgane übersteigt. Und zu jener Abteilung gehört auch euer Charakter, den ihr vor dem Spiel erstellt. Mit diesem Alter Ego begebt ihr euch nach New York, wo die Epidemie am grausamsten war.


Pathos, Klischees – und keine Ironie

Der Erstkontakt mit dem Big Apple ist verstörend. Kaum habt ihr euch im Division-Hauptquartier, Bezirk Brooklyn, gemeldet, werdet ihr mit den Tatsachen konfrontiert. Zig Millionen Tote in New York, keine staatliche Ordnung mehr, marodierende Banden, hilfsbedürftige Überlebende, Versorgungsengpässe allerorten. Die schlechten Nachrichten sind damit noch nicht auserzählt, sondern erreichen erst ihren Klimax: Ihr gehört zwar der Division an, gehört aber zur zweiten Welle, die erst gerufen wurde, nachdem die erste Welle komplett ausradiert wurde. Munkelt man, denn in New York weiß niemand, wie die Lage ist und weshalb The Division versagte. Die zweite Garde also muss es richten. Die Aufgaben, mit denen man euch betraut, könnten nicht größer sein: Ursprung des Virus entdecken, Gegenmittel entwickeln, Ordnung wiederherstellen und klären, was mit Welle 1 passierte.

Ab der ersten Minute ist The Division zwar ungemein beklemmend und zunächst plausibel, ihr solltet aber nicht allzu sehr über die Story nachdenken. Seid ihr anfangs der Rookie, den keiner haben möchte, opfert sich nur Minuten später der diensthabende Captain, damit ihr euer soldatisches Schicksal erfüllen könnt. Häh? Und überhaupt: das Szenario. Das verschneite New York ist trostlos und von Terroristen nur so durchsetzt – wieso aber kommt niemand auf den Trichter, einfach mal Strom und Fernwärme abzuschalten, damit die Anarchisten aus ihren Löchern getrieben werden? So jedenfalls leuchtet New York nachts in bester Weihnachtsstimmung, was hübsch aussieht. Logisch ist es nicht.

Macht euch zudem gefasst auf Pathos-Gefasel und eimerweise Klischees, die euch nur so um die Ohren gefeuert werden. Klar, ihr gehört zu den Soldaten der ganz harten Sorte, der Rest der Division ebenfalls, aber abseits peinlicher Oneliner und Klischeesätze ("Ich lasse Sie nicht zurück!") beherrscht The Division keine der feinen Zwischentöne, die der 08/15-Geschichte gutgetan hätten. Galgenhumor etwa, der angesichts der erdrückenden Lage und deprimierenden Aussichten angebracht wäre. Und die Nebencharaktere entstammen höchstwahrscheinlich der ersten Stunde des Kurses "Drehbuchautor" an der lokalen Volkshochschule. Ein korrupter Soldat hier, ein bis ins Mark moralisch handelnder Kommandeur dort und ein paar Dutzend psychopathische Gegner, die dick gepanzert zum Showdown einladen – in der verlassenen Fabrik, einer besetzten Polizeistation oder der U-Bahn.

Tom Clancy's The Division
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Daniel Wendorf

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Daniel Wendorf am 24 Mrz 2016 @ 08:29
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