GBase - the gamer's base

Header08
oczko1

Valentino Rossi The Game: Review

  Playstation 4 

Was war das für ein Drama! Was für eine Entblößung! Da kämpfte Valentino Rossi, das PR-Zugpferd des MotoGP-Zirkus, vergangene Saison bis zum vorletzten Saisonrennen um die Weltmeisterschaft, und dann das: Ein emotionaler Ausraster, ein Tritt gegen WM-Konkurrent Marquez und de facto das Ende der Weltmeisterschaftsträume! Nicht nur Motorradfans mussten schlucken, dass sich Everybody's Darling so die Blöße gab, sondern auch die Entwickler der MotoGP-Spiele.

Gefallener Gott im Fokus

Für die Saison 2016 setzt Milestone auf eine in der Serie bislang einmalige Aktion und hievt Valentino Rossi nicht nur aufs Cover des Spiels, sondern benennt es nach ihm. Doch das hier ist keine Sébastien-Loeb-Rally, bei der nur Valentino im Fokus steht. Die komplette MotoGP-Saison ist mit auf Disc – erweitert um "The Rossi Experience". Das pumpt den Umfang mächtig auf. Aber leidet die Qualität darunter? Jein.

Ein Blick in den zentralen Spielmodus offenbart Ungewöhnliches. Valentino Rossi auf dem Dirt Bike oder gar auf vier Rädern beim wilden Drift über Dreckpisten. Wer den neunmaligen Weltmeister kennt, weiß jedoch, dass er ganz gerne mal Neues ausprobiert. Zu seiner Vita gehören Ausflüge in echte Rally-Fahrzeuge oder gar der Drive in einem F1-Ferrari. Dies aufzugreifen, scheint also konsequent.
Ähnlich wie Loeb in seinem Spiel, rekapituliert Valentino die wichtigen Stationen seiner Karriere. Nach einer solchen Sequenz übernehmt ihr Rossis Geschicke und wiederholt seine größten Erfolge – oder bügelt seine Niederlagen aus. Einen Gegner im miesen Bike überholen? Logo. Einen gigantischen Vorsprung herausfahren? Schon etwas schwieriger. Rossis real erzielte Rundenzeiten unterbieten? Ein wochenlanges Unterfangen.


Karriere neben der Karriere

Neben dieser Rückschau lohnt der Blick in die anderen Rennkategorien. Als virtueller Teilnehmer der tatsächlich existenten VR Academy beginnt ihr in niedrigen Motorradklassen und kämpft euch durch die verschiedenen Kategorien in die MotoGP vor. Dank offizieller Fahrerkader und Strecken ein unglaublich intensives Ereignis. Um eure Fahrerfähigkeiten zu steigern, sattelt ihr öfter aufs Rally-Geschoss oder einen Ford Mustang um. Die so gewonnenen Erfahrungspunkte investiert ihr in die Fahrzeugbeherrschung eures Alter Ego. Ein besseres Gefühl fürs Gasgeben oder Bremsen, die Fähigkeit, im Regen das Maximum rauszuholen, oder die Optimierung der kniffligen Kurvenfahrten helfen euch später, die Defizite der Maschinen auszugleichen.

So sehr, wie dies neu ist, bleibt Milestones MotoGP-Spiel seinen Qualitäten und Schwächen der vergangenen Jahre treu. Die Physik ist je nach Schwierigkeitsgrad angesiedelt zwischen einem arcadigen oder viel zu simulationslastigen Fahrgefühl, dem der DualShock 4 nur bedingt gerecht wird. Mit einem Lenkrad wird das Gefühl für die Maschine etwas besser, das Koppeln und separate Bedienen der Vorder- und Hinterradbremse fühlen sich dennoch seltsam an. Einsteigern wird durch das Einblenden der Ideallinie (samt Bremspunkten), das automatische Wegducken und die Rückspulfunktion unter die Arme gegriffen – in der Semi-Pro-Einstellung dürften Neulinge wie Profis einen guten Mittelweg finden. Das etwas schwammige und behäbige Gefühl der Vorjahre blieb aber und wächst sich bei den Ausflügen aufs Dirt Bike und in die WRC-Boliden zu einem echten Problem aus. Die Untersätze auf der Bahn zu halten, wird zum Geduldsspiel. Vielleicht ist dies nicht nur dem Umstand geschuldet, dass die Erkennung des Analogstick-Einschlags nicht voll umgesetzt wird.

Valentino Rossi The Game
Game-Facts

Game-Abo
 Was ist das?

Daniel Wendorf

Daniel Wendorf am 15 Sep 2016 @ 18:18
Kaufen
oczko1 Kommentar verfassen