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Hey! Pikmin: Review

  Nintendo 3DS 

Nun nimm doch einer Captain Olimar endlich den Zündschlüssel für seine Rakete weg! Bereits zum vierten Mal stürzt der nur wenige Zentimeter kleine Weltraumforscher unglücklich auf einen unerforschten Planeten ab. Um von dort wieder wegzukommen, braucht er die Hilfe der Pflanzenwesen mit dem Namen Pikmin, um sein Raumschiff neu zu betanken.

Nicht ganz neu

Als 2002 der erste Teil der Strategiereihe erschien, war das von Nintendo Gezeigte ein Wagnis. Echtzeitstrategie? Von Nintendo? Ein guter Witz, feierten PC-Generäle ihre Echtzeitschlachten doch mit Command & Conquer, Homeworld oder StarCraft. Darin wurden Ressourcen abgebaut, Waffen entwickelt, eine Streitmacht aufgestellt – und irgendwann metzelte sich der halbe Bildschirm. Gewonnen hatte zumeist, wer als letzter noch über eine halbwegs intakte Basis verfügte. Pikmin dagegen war anders. Echtzeit ja, Strategie auch – aber eben auf eine knuffige Nintendo-Art. Statt in ganz großen Maßstäben zu denken, waren die Levels zwischen Grashalmen angelegt. Kiesel wurden zu großen Felsbrocken, kleine Rinnsale zu reißenden Bächen, eine leere Fischdose war ein nur schwer zu bewegendes Hindernis. Eine Frage der Perspektive also, aber dennoch eine Mammutaufgabe, die Olimar ohne die tatkräftige Unterstützung der Pikmin nicht hätte meistern können.

Diese Pflanzenwesen konnten je nach Farbe wesentlich schwerere Dinge heben, fliegen, schwimmen oder Feuer trotzen und wurden einfach auf ein Ziel geworfen. Auf Gegner, um sie zu schwächen, auf Gegenstände, um sie zu transportieren. So einfach. Der 3DS-Ableger behält die attraktive Formel bei, reduziert sie allerdings auf eine 2D-Ansicht. Das tut dem eigentlichen Konzept keinen Abbruch, auch als 2D-Puzzle-Spiel in der Tradition eines Lost Vikings – und entfernt der Lemmings – ist es ähnlich fordernd und charmant wie die großen Konsolenvorgänger.

Pikmin light

Einzig die strategische Komponente wurde ein wenig zurückgefahren. Wie viele Pikmin von welcher Sorte ihr mitschleppt, das entscheidet diesmal das Spiel, nicht ihr. Schade, denn das war ein wenig das Salz in der Suppe der bisherigen Pikmin-Titel. Nun also zieht ihr mit einer fest vorgegebenen Gruppe von Pflanzenwesen los, die ihr auf Anhöhen und über Wassergräben schmeißt, gegen gefräßige Käfer schleudert oder dazu verdonnert, schweren Kram zu schleppen. Der Schwierigkeitsgrad steigt sanft an, für geübtere Spieler sind aber insbesondere die ersten drei Stunden eine Zumutung.

https://www.youtube.com/watch?v=iPo1imdqd1s

Das Treiben auf beiden 3DS-Screens (der obere erweitert das Spielfeld vertikal) mutet anfangs chaotisch an, auch weil die Steuerung so gewöhnungsbedürftig ist. Mit dem Steuerkreuz (bzw. als Linkshänder mit den Aktionsknöpfen) steuert ihr Olimar nach links und rechts. Tippt ihr mit dem Stylus auf den Touchscreen, sammelt ihr die Pikmin mit einem Pfiff um euch, während ein Tippen auf den berührungsempfindlichen Bildschirm die kontextsensitiven Aktionen ausführt. Nach kurzer Eingewöhnung geht das leicht von Hand und macht frei, um sich vollends auf den Spielinhalt einzulassen.

Grundsolide, aber nicht mehr

Insgesamt müsst ihr 30.000 Einheiten Glitzerium als Treibstoff in die Rakete füllen, um den Planeten wieder verlassen zu können – auf dem Weg dahin schaltet ihr fast alle tausend Einheiten neue Gimmicks frei. Eine Labyrinth-Karte etwa, mehr Lebensenergie oder die Fähigkeit, weitere Pikmin mitzuführen. Nach jeder Mission werdet ihr vom Spiel bewertet und in den Pikmin-Park hineingeworfen, wo ihr in kleinen automatischen Nebenmissionen weitere Aufgaben durch eure treudoofen Vasallen erledigen lasst – ein Hauch von Metal Gear Solid: Peace Walker.

Bis alle 40 Levels erkundet und sämtliche Nebenaufgaben erledigt sind, gibt es also mächtig viel zu tun. Doof nur: Einige Features sind Besitzern bestimmter Amiibo vorbehalten. Besitzt ihr eine solche nicht, könnt ihr nicht drauf zugreifen. Etwas dreist.

Auch technisch zeigt sich, dass Hey! Pikmin eher beiläufig produziert wurde. Umgebungen und Charaktere sind herzallerliebst designt und animiert, der Soundtrack geht ins Ohr. Und doch vermisst man das, was Nintendo-Spiele aus der Masse heraushebt. Eine kleine zusätzliche Animation hier, ein liebevoll eingespieltes Geräusch dort, mitunter auch Anspielungen auf andere Nintendo-Universen.

Hey! Pikmin
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Daniel Wendorf

Daniel Wendorf am 07 Aug 2017 @ 12:57
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