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Amazing Spider-Man 2: Review

  Playstation 4 XBOX 360 

Wo ein Kinofilm, da auch ein zugehöriges Videospiel: In The Amazing Spider-Man 2 schwingt sich der Spinnenkumpel auf der Suche nach dem Mörder seines Onkels durch Manhattan. Verblüffend ist bei dieser Lizenzgurke allerdings nur, wie schlecht die Entwickler von Batman und Konsorten abgekupfert haben.

Im Juli 2012 stopften wir The Amazing Spider-Man im GBase-Test in die Kategorie "Spiele mit verschenkten Möglichkeiten". Das war vor zwei Jahren. Nun könnte man annehmen, dass die Entwickler von Beenox die Zeit genutzt haben, über ihr Spinnenspiel zu grübeln und diesmal die Fäden richtig zu spinnen, anstatt sie zu verknoten. Aber ach, The Amazing-Spider Man 2 ist eine Trash-Gurke, die in einigen Belangen überraschenderweise sogar noch schlechter ist als ihr Vorgänger.

"Wir machen etwas Neues!"

Das Dilemma fängt schon bei der Rahmenhandlung an, weil sich die klugen Köpfe hinter dem Spiel gedacht haben, eine Geschichte zu stricken, die weit über den Film hinausgeht, sei eine gute Idee. Klar, macht man ja auch immer so bei offiziellen Spielen zu Filmen. Aber sei's drum, das erste Logikloch folgt schon im Prolog.

Peter Parkers Onkel wird auf den Strassen Manhattans von einem Dieb niedergeschossen. Der Fotograf stülpt sich sein Kostüm über und kämpft fortan gegen das Böse, hat es aber auch nach zwei Jahren noch nicht geschafft, den Mörder zu finden. Stattdessen haben wir den Eindruck, dass die Suche nach besagten zwei Jahren erst richtig losgeht. Was hat denn der liebe Weltenretter in der Zwischenzeit gemacht? Egal, Tante May jammert, Peter hat Schuldgefühle - und wir jagen einem tätowierten Kriminellen hinterher.

Amazing Spider-Man 2 Bild
Das Katz-und-Maus-Spiel gestaltet sich aber zunächst schwieriger als gedacht und endet damit, dass wir prompt gegen eine Hausfassade klatschen. Schuld ist die zickige Kollisionsabfrage des Netzschwingers. Eigentlich sollten wir mithilfe der beiden Schultertasten bequem durch die Häuserschluchten schwingen können, doch unsere Netzdrüsen gehorchen nicht immer auf Tastendruck, im Flug putzen wir unfreiwillig viele Satellitenschüsseln und prallen gegen Gebäude.

Auch das Sprinten an Fassaden funktioniert nie so, wie wir das wollen, weil sich Spidey häufig verheddert. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung fühlt es sich aber fantastisch an, über winzige Autos und Passanten hinwegzurauschen. Per Netzsprint schiessen wir blitzschnell auf eine Laterne oder auf einen Dachgiebel und weiter über die amerikanische Metropole. Leider sind das auch schon die einzigen grossen Momente, weitere Höhepunkte sucht man vergeblich.

Wo brennt's denn?

Als Verbrecherjäger können wir in der offenen Spielwelt diverse Delikte vereiteln, indem wir Kriminelle aufspüren und zur Strecke bringen. Oder besser gesagt: wir müssen, denn wenn wir nicht alle paar Minuten eine Heldentat verbringen, rutscht das Heldenbarometer in den roten Bereich. Dann rückt die Taskforce mit ihren Superflitzern an und will uns den Garaus machen, weil sie uns für den Verantwortlichen für die Unruhen in New York hält.

Okay, Nebenaufträge sind in einer offenen Welt schön und gut, wenn sie denn abwechslungsreich inszeniert sind. In Manhattan geschehen aber offenbar stetig die gleichen Schandtaten: Ob wir Autoknacker hochnehmen, Einbrecher dingfest machen oder ein paar asoziale Schmarotzer verhauen, macht keinen Unterschied - es artet eh immer in einen Kampf aus. Zudem stammen die Bösewichte aus der Klonfabrik. Dadurch lauschen wir nicht nur immer wieder denselben Kommentaren Spider-Mans, sondern glotzen auch ständig in dieselben Fratzen.

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, sich Reputation als Held aufzubauen und sein Image zu pushen. Zivilisten aus brennenden Häusern retten etwa. Oder Fotos davon knipsen, wie auf den Strassen krumme Dinge gedreht werden. Das hat man schon nach wenigen Minuten satt. Aber es hilft alles nichts: Wer ein Held sein und mit entsprechenden Erfahrungspunkten belohnt werden will, muss Held spielen.

So steigen wir nach und nach im Rang auf, als Belohnung winken Boni wie erhöhter Schaden oder eine schnellere Schussfrequenz für die Netzdrüse. Zusätzlich sammeln wir Punkte, um in einem rudimentären Talentbaum neue Fähigkeiten freizuschalten und diese in drei Stufen auszubauen. Nennenswerte Spezialmanöver sucht man aber mit der Lupe, die meisten Talente dienen einer erhöhten Reichweite beim Schwingen, besseren Instinkten und dergleichen. Die vermeintlichen Unterschiede im Handlungsverlauf entsprechend unserer Ausrichtung, die auf der Verpackungsrückseite beworben werden, entpuppen sich übrigens als Schwindel - beeinflussen können wir lediglich, ob uns die Taskforce am Kostümzipfel hängt oder nicht.

Amazing Spider-Man 2
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Alexander Boedeker

Alexander Boedeker am 16 Mai 2014 @ 10:52
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