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The Evil Within: Review

  Personal Computer Playstation 4 

Shinji Mikami, seines Zeichens Schöpfer von Resident Evil, Resident Evil 4 und auch Vanquish, hat nach vielen Jahren endlich wieder ein Spiel veröffentlicht. "Endlich" deshalb, weil seine bisherigen Veröffentlichungen fast allesamt die Grenzen ihrer Genres verschoben. Bei The Evil Within war die Erwartungshaltung deshalb hoch - zu hoch für ein Spiel, das nur in Ansätzen zeigt, was es sein kann. Und sich - wie in diesem Test - mit Resident Evil 4 messen lassen muss.

Das Best-of der Horrorspiele

Das grösste Problem von The Evil Within ist, dass es sich anfühlt wie die Best-of-Platte einer Lieblingsband: Man mag die Titel, man mag die Zusammenstellung - aber ohne Bonustracks und lediglich mit einem neuen Platten-Cover ausgestattet, bleibt der fade Beigeschmack des schnellen Geldes, das man damit zu machen hofft. Stellvertretend dafür stehen die ersten 15 Minuten - Held ist Cop. Held fährt an Tatort. Tatort ist voller Leichen. Held verliert das Bewusstsein, findet sich kopfüber an einem Fleischerhaken wieder, befreit sich und wird von einem Kettensägen schwingenden Grobian verfolgt. Die bekannten Motive sind nicht die einzigen Wiedergänger, denn im Verlauf des Spiels zitiert The Evil Within munter alle bekannteren Horrorspiele der letzten zehn Jahre, die auch nur im Entferntesten erfolgreich waren.

The Evil Within Bild
Verstörende Traumsequenzen aus Silent Hill? Check! Mysteriöse Heilanstalt im blasshellen Schein der eigenen Laterne? Check! Abgelegene Dörfer mit komischen, zumeist mutierten Mitbewohnern, zuvor in Resident Evil 4 gesehen? Check! Mysteriöser Leuchtturm wie in Alan Wake? Doppel-Check! Nicht nur die Spiele dienen als Vorlage, ebenso bedient sich Altmeister Mikami neuerer Filme. Die Frage ist: Hatte er es wirklich nötig? Bislang waren seine Werke recht eigenständig, strotzten nur so vor Ideen und neuen Spielelementen, die man so bislang noch in keinem Spiel sah. Resident Evil 4 bot die Third-Person-Ansicht auf; nicht etwa direkt hinter dem Avatar, sondern seitlich versetzt. Das kopierten unzählige nachfolgende Titel. Selbes Spiel, anderer Trick: Fette, schwarze Balken oben und unten, um einen cineastischen Eindruck zu generieren. Genial! Aber in The Evil Within ist von dem kreativen Potential nichts zu spüren.

Kein Mut

Die Mutlosigkeit muss nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein, solange das Spiel inhaltlich und handwerklich auf soliden Beinen steht. Inhaltlich kann die Geschichte rund um ein mysteriöses Virus, das seine Opfer zu willenlosen, entstellten Zombies mutieren lässt, gefallen. Da erwischt es fast jeden Charakter des Prologs, wird der Überlebenskampf des Detective Castellanos greifbar und verständlich. Gefangen zwischen dem postapokalyptischen Abziehbild unserer realen Welt und einer grotesken Krankenstation, die als Hub und Speicherpunkt dient, möchte man schon gern wissen, was es nun mit dem Virus auf sich hat. Schade deshalb, dass viele Nebendarsteller platt bleiben und ihre Handlungen wenig nachvollziehbar sind. Zudem verfolgt den Spieler das Gefühl, alles schon zu häufig in Raccoon City erlebt zu haben - leicht abgewandelt natürlich. Neu ist das Gebotene aber nicht.

The Evil Within Bild
Wenn die Story also nicht zündet, kann es ja vielleicht das Gameplay richten? Nö. In bester Resident-Evil-4-Manier schiesst, rätselt und rennt man sich den Weg frei durch die abwechslungsreichen Aussenareale und beklemmenden Innenräume, durchlebt häufig Albtraumsequenzen und puren Gore. Während die Brutalität ins Szenario passt und wesentlich mehr bietet, als das zeitlose Resident Evil 4, kommt das Spielerische nicht darüber hinaus. In Resident Evil 4 waren es eben Pesetas, die Leon S. Kennedy einsammelte, um seine Waffen beim kultigen Händler aufzurüsten. Castellanos hingegen sammelt grünen Glibber, um seine mentalen, physischen und ballistischen Skills zu pimpen. Na prima. Macht das einen Unterschied? Wohl kaum.

Während Resident Evil 4 den Horror mit packenden Shootouts unterstrich und den Spagat bravourös hinlegte, plumst The Evil Within einfach hin. Mag ja sein, dass Mikami die Munitionsmenge reduzieren wollte, um das Spiel nicht zur Ballerorgie verkommen zu lassen. Mit der wenigen Munition und den starken Kreaturen ist es schon nach kurzer Zeit fast ausweglos, sich seiner Haut zu erwehren. Hier hätte der Einstieg in den Titel durchaus sanfter vonstattengehen können, die Lernkurve weniger steil sein dürfen. Dass die Gegner dafür strunzdoof sind - geschenkt. Es gibt zu viele von ihnen, sie stecken zu viel ein, und das lässt im Minutentakt Frust aufkommen. Getoppt wird dies durch unsichtbare Gegner, die lediglich bei einem Treffer (zu) kurz zu sehen sind. Blöd, wer da durch stockfinstere Areale rennen muss, auf der Suche nach einer Schlüsselkarte (hallo Klischee), um irgendeinen Aufzug zu betätigen.

The Evil Within
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Daniel Wendorf

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Daniel Wendorf am 30 Okt 2014 @ 16:17
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