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Gamehotel: Konferenz 2008 Reportage

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Bereits zum dritten Mal fand vor etwas über einer Woche der GameHotel-Event in Zürich statt. Die Veranstaltung, die 2003 von der Agentur TNC Network unter der Leitung von Bruno Beusch und Tina Cassani in Paris ins Leben gerufen wurde, versammelte einmal mehr einige der interessantesten und kreativsten Köpfe der Spiele-Industrie in der Limmatstadt, und diese wurden von Benno Seiler, dem Direktor der Wirtschaftsförderung der Stadt und des Kantons Zürich, begrüsst. Damit bekennt sich die Regierung zur Notwendigkeit, über die digitalen Spiele zu debattieren, und zwar auf einer Ebene, welche über die blosse Verteufelung des Mediums hinausgeht. Ein willkommenes Statement. Im Fokus der diesjährigen Ausgabe der Konferenz stand das Thema Funware und damit die Frage, wie Spielmechanismen ausserhalb der Spielebranche angewendet werden können. Und zwar in Bereichen, in denen man sie bis heute nicht vermutet hätte.


Opening Keynote: Gabe Zichermann, CEO rmbr (USA)

Die Ehre, die Konferenz des GameHotels zu eröffnen, wurde dieses Jahr Gabe Zichermann zuteil. Der Vortrag des CEO der Firma rmbr (sprich: remember) war betont witzig. Der sympathische Amerikaner, der den Begriff Funware mitdefiniert hat, versucht mit seinem Unternehmen, mehr Spielbarkeit und damit mehr Spass ins weltweite Datennetz zu bringen. Die Grundlage dafür sei gegeben. Viele Applikationen im Internet würden heute schon spielerische Elemente enthalten, so zum Beispiel eBay, Miles & More und ähnliche Portale, auf welchen sich der Nutzer quasi mit anderen messen kann und bisweilen muss. Bei einer Online-Auktion zum Beispiel, wenn es darum geht, einem Mitbieter einen Artikel in letzter Sekunde vor der Nase wegzuschnappen. Dabei werden über alle seine Aktionen Statistiken geführt, ähnlich den Highscore-Listen in Spielen.

Zichermann scherzte weiter, dass man angesichts der Finanzkrise vielleicht darüber nachdenken sollte, die Geldgeschäfte in die Hände von Gamedesignern zu legen. Gamedesign sei eine unglaubliche Kraft, die Menschen dazu bringen könne, sehr irrationale Dinge zu tun, ohne sie dazu zu zwingen, ähnlich wie an der Börse. Das versuche das Marketing auch, doch beim Marketing sei das Resultat nicht vorhersehbar, beim Gamedesign hingegen schon. Seiner Meinung nach würde den digitalen Spielen und der Funware in Zukunft eine immer grössere Rolle zukommen, denn die Menschen würden gerne spielen, weil es Spass mache, und Spass sei ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Einige der Thesen und Vorschläge Zichermanns wären sicher zu hinterfragen und müssten genauer erörtert werden, aber das Gesamtbild wusste das Publikum zu überzeugen.

Gamehotel Bild

Eric Brown, CEO ImpactGames (USA)

Als Nächster betrat Eric Brown die Bühne. Er ist Mitgründer der Firma ImpactGames und zählt laut Newsweek Japan zu den "100 sozialen Unternehmern, welche die Welt verändern". Sein erklärtes Ziel ist es, die Gesellschaft zu beeinflussen und Veränderung mit Hilfe der interaktiven Medien zu ermöglichen. Er ist im Gegensatz zu Zichermann der Ansicht, dass die Menschen spielen, weil es für sie eine Herausforderung darstellt, und nicht, weil es Spass macht. Der Game-Aktivist zeigte bereits mit dem Flash-Spiel "September 12th", worum es ihm geht. Darin muss der Spieler auf einem fernöstlichen Markt mit einem Sucher Terroristen ausmachen und sie mit einer Rakete töten. Man kann nicht gewinnen, denn für jeden toten Gegner erscheinen zwei neue auf der Spielfläche. Eine auswegslose Situation, und eine klare Aussage.

Weltweite Anerkennung erlangte Brown mit dem Spiel Peacemaker, in welchem der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern thematisiert wird. Aktuell arbeitet er an PlayTheNews, einem Portal, auf welchem Nachrichten so aufbereitet werden, dass die Nutzer sie spielerisch erschliessen können und dadurch mehr über die Hintergründe der Geschichte erfahren. Er vergleicht News-Gaming mit Art Spiegelmans fantastischem Comic "Maus": eine spielerische Auseinandersetzung mit der harten Realität.

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Luca Cannellotto

 
Luca Cannellotto am 06 Nov 2008 @ 20:36
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