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Dies und das: Was bleibt - Winnenden und seine Folgen Special

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Der Faktor Zeit für eine andere Auseinandersetzung

Was Winnenden von Erfurt 2002 und Emstetten 2006 unterscheidet, ist der Zeitpunkt. Spiele sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, all die Politiker und Meinungsmacher, die gegen das Medium wettern, sehen sich einer zunehmend breiten und informierten Masse gegenüber, die Spiele nicht nur konsumiert, sondern auch versteht - selbst jene "Killerspiele", die Aufhänger für populistische Kampagnen waren und teils noch sind. Mit der PlayStation 3, der Xbox 360, insbesondere aber den Nintendo-Plattformen, die sich an viele neue Zielgruppen richten, wurde das Image der Daddelkisten ordentlich aufpoliert.

So stellte Norbert Bolz, Professor für Medienwissenschaften an der TU Berlin, wenige Tage nach der Tat fest: "Das Killerspiel ist für die männliche Aggressivität, was die Pornografie für die männliche Sexualität ist. In den Killerspielen geht es nicht um Gewalt, sondern um die Imagination von Gewalt. Das ist allerdings ein Unterschied, den man hysterischen Politikern nicht verständlich machen kann. Es gibt natürlich keine Kausalität zwischen Killerspiel und Amoklauf. Das eigentliche Problem ist das, was man in ehrlicheren Zeiten noch Verwahrlosung genannt hat." (Quelle: Tagesschau.de, 17.3.2009)

Wolfgang Bergmann, Autor einer Studie zur Computersucht, fällt mit in den Kanon ein: "Das Entscheidende ist vorher passiert - das war in allen Fällen der angekündigten und durchgeführten Amokläufe der vergangenen Jahre gleich: Immer waren diese Jungen schon früh isoliert, sie hatten kein soziales Gefühl und wurden von den anderen nicht anerkannt: Ein tiefes Gefühl von Versagen auch in der Leistungskultur, die in unseren Schulen dominiert. Im Computerspiel dagegen kann der Jugendliche grandios agieren, erschaffen und vernichten. [?] Computerspiele sind der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Sie dynamisieren den Konflikt, aber sie verursachen ihn nicht." Spiele als Katalysator also.

Im Fall von Tim Kretschmer war der Prozess schleichend, für Eltern wie auch Freunde und Schulkameraden kaum bemerkbar. Auffälligkeiten wurden mit den üblichen pubertären Stimmungsschwankungen abgetan. Was ihn veranlasste, die Tat durchzuführen? Das wird nie ganz geklärt werden können. Es schien aber das Gemisch aus Einsamkeit, dem Drang nach Anerkennung und der Macht einer Schusswaffe - Tim war öfter mit seinem Vater im Schützenverein - zu sein, das sämtliche Sicherungen durchbrennen liess.

Das nachweislich geschenkte FarCry 2 als Anleitung zum Töten? Für Konservative begrüssenswert, für alle anderen fragwürdig. Ubisofts Edel-Shooter ist mehr für seine Inszenierung, denn Authentizität bekannt. Auch GTA 4 oder Counter-Strike taugen bei aller "Durchlässigkeit" kaum zum virtuellen Trainingsplatz, sondern sind in ersterem Fall krasse Satire amerikanischer Zustände oder moderne Version von Räuber & Gendarm, in der Kooperation und Taktik mehr zählen, als blindlings jemanden abzuknallen. Doch was ist mit den Schützenvereinen? Die finden kaum Erwähnung. Berichte wie im SPIEGEL (http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,626244,00.html) sind selten, weisen aber auf das Potenzial solcher Vereinigungen hin, zumal sich etwa mindestens 160 solcher Anlagen direkt in Schulen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen befinden. Waffen in Schulen? Längst Realität. Statt diese Vereine anzugreifen, wurde ein Verbot von Paintball-Anlagen in Aussicht gestellt, die keinen nachweisbaren Bezug zur Tat aufweisen.

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Daniel Wendorf am 12 Mrz 2011 @ 10:47
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