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Dies und das: Was bleibt - Winnenden und seine Folgen Special

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Die Medien: aufgeschlossener

Wer ein Jahr nach Winnenden den ZDFinfokanal eingeschaltet hat, dürfte überrascht gewesen sein: Dokumentationen über Online-Spieleredaktionen, Heavy Rain, soziologische Phänomene von Online-Games oder der komplizierte Entstehungsprozess eines Spieles wurden ausgestrahlt - nicht nur einmal und vereinzelt, sondern oft und als Cluster, so dass selbst der Laie fundierte Einblicke gewinnen konnte. Dabei ist der ZDFinfokanal entsprechend dem Rundfunkstaatsvertrag (http://www.alm.de/fileadmin/Download/Gesetze/RStV_aktuell.pdf) verpflichtet, kritisch über Gesellschaft und Kultur zu berichten - dem wird hier nachgekommen. Es ist zu bemerken, dass es weder Hurra-Journalismus ins Programm geschafft hat, noch eine zutiefst negative Stimmung verbreitet wird. Pro und Contra halten sich angenehm die Waage und abschliessende Urteile werden in der Regel nicht gefällt.

Selbiges Bild in den Talkshows: Die Sozialisation des Individuums rückt in den Vorder-, die Spieleaffinität in den Hintergrund. Hart aber fair-Moderator Frank Plasberg kam in der Sendung vom 11.3.2009 zum Schluss, dass eine "Neubewertung der Spiele erfolgen" müsse. (http://www.youtube.com/watch?v=rQrmvlew7bY) Hart aber fair war kaum zwei Jahre zuvor nach Emstetten noch auf der populistischen Seite, doch in dieser Ausstrahlung kam auch die Spielerseite zur Wort und erntete Respekt, während Pfeiffer für einige seiner Kommentare regelrecht ausgelacht und auf die Argumentationsführung von Rechtspolitiker Bosbachs (CDU) mit heftigem Kopschütteln reagiert wurde.

Der sachlichere Umgang mit dem Medium "Spiel" ist in den Printmedien ein Stück weit besser ausgeprägt, wobei das Meinungsspektrum nicht breitgefächerter sein könnte. Die üblichen Spielemagazine ausgeblendet, reichte das Repertoire der Berichte von einer sehr rationalen Dokumentation bis hin zu Klatschkolumnen, beispielsweise in Centaur, der Zeitschrift der Drogerie-Kette Rossmann. Ein Artikel aus dem Jahr 2009 wurde von Christian Pfeiffer geschrieben, und es ist selbst für den Laien erkennbar, dass auf falsche Art und Weise Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die Anzahl der TV-Geräte von pubertierenden Jungen bildungsferner Familien mit der Zahl von Fernsehapparaten kindlicher Mädchen in bildungsnahen Familien zu vergleichen und daraus Schlüsse zu ziehen, ist gewagt.

Die Wirtschaft

Die Spieleindustrie reagierte reichlich trotzig auf ein mögliches "Killerspiel"-Verbot - die wenigen namhaften Entwickler, die Deutschland hat, drohten damit, bei einem entsprechenden Verbot die Bundesrepublik zu verlassen. Ein Tropfen auf den heissen Stein. In ihrer medialen Weitsicht teils arg eingeschränkt waren die Publisher - allen voran Activision Blizzard, deren Hin und Her bei der Uncut-Diskussion um Call of Duty: Modern Warfare 6 und dessen umstrittenen Flughafenlevel zeigte, dass einige Verleger eben nicht verstanden, wie man sich dem umstrittenen Thema mit der nötigen Sensibilität nähert. Ein Wunder eigentlich, dass diese Szene - die selbst in der deutschen Version äusserst drastisch ausfiel - noch nicht von den konservativen Medien zerfleischt wurde. Gründe gäbe es dafür. Zerfleischt wurde hingegen Dead Space 2 - das Spiel ist Horror und will ihn nicht nur psychologisch darstellen. Sechs Prüfungen bei der USK und ein Einspruch der bayrischen Sozialministerin später schaffte es der Titel fast uncut nach Deutschland. Die Folge: Der Freistaat Bayern kündigte die Anstrengung einer Novellierung an, derzufolge eine Indizierung auch nach der Vergabe des Prüfsiegels erfolgen kann. Genau das wurde 2003 abgeschafft.

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Daniel Wendorf am 12 Mrz 2011 @ 10:47
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