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Dies und das: Was bleibt - Winnenden und seine Folgen Special

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Die Hinterbliebenen

Genug von den Medien, der Wirtschaft und den Politikern. Wir halten fest: Politiker müssen ihre Strategien überdenken, ihr Medienbild als vielschichtiger wahrnehmen, als das bislang der Fall war. Die Wirtschaft muss sich für solche Themen und auch grundsätzlich andere Perspektiven sensibilisieren. Und die Medien ihrer Moderatorenrolle vollends gerecht werden.

Doch was ist eigentlich mit den Opfern? Besonders in Erinnerung bleibt wohl eine Aktion: Ein Müllcontainer des Aktionsbündnis Winnenden, das ein rigoroses Verbot von "Killerspielen" forderte und diese medienwirksam einsammeln und vernichten wollte. Der Container blieb bekanntlich leer, die Aktion sorgte für viele Lacher. Zu Recht? Nein, weil das Einfühlungsvermögen fehlte.

Das Gefühl, jemanden durch so eine Tat - unwiederbringlich - verloren zu haben, die Emotionen, die auf einen einwirken und das rationale Denken weitestgehend ausschalten, sind für viele vorstell-, aber keineswegs nachvollziehbar. Nach dem Verlust rollten die Medien nach Winnenden, belagerten tagelang das Städtchen, versuchten Bewohner zu Interviews zu drängen und transferierten die krudesten Erklärungsmuster und Handlungsabläufe in ihre TV-Magazine, Artikel und Blogs. Unter solchen Umständen zerbricht der Mensch, er wird anfällig für oberflächliche Erklärungsversuche, für Schwarz-Weiss-Muster. Und er verliert im schlimmsten Fall den Kontakt zur Umwelt, schottet sich ab. Die Eltern und Angehörigen der Getöteten taten etwas, was man nicht für möglich gehalten hatte: Sie setzten sich zusammen, diskutierten versucht rational und stellten mit ihrem Aktionsbündnis etwas auf die Beine, das abseits des Container-Debakels von der Politik getragen und finanziert wurde. Die Stiftung "Gegen Gewalt an Schulen" (http://www.stiftung-gegen-gewalt-an-schulen.de/) setzt auf eine Aufklärung der Hintergründe, auf Prävention solcher Taten, auf Erklärungen, ob und inwieweit Medien und das Umfeld den Entschluss einer Person zu so etwas festigen können. Erstaunlich: Eine Dämonisierung von "Killerspielen" findet nicht statt. Ein Verbot wird gefordert, aber ist das verwunderlich angesichts der Ereignisse? (http://www.stiftung-gegen-gewalt-an-schulen.de/media/winnenden_amoklauf47.pdf)

Hardy Schober, Vorstand des Elternbündisses, sagte im Zuge der Container-Aktion: "Wir wollen, dass diskutiert wird und ein Zeichen setzen, dass Killerspiele aus den Kinderzimmern verbannt werden." Schober hat nicht Unrecht. "Killerspiele" gehören nicht in Kinderhände, die Alterseinstufungen folgen möglichst nachvollziehbaren, transparenten Kategorien. Und dürfen durchaus als Richtlinie verstanden werden, die gesetzlich fixiert ist und den Handel - nicht aber die Eltern - zur Einhaltung zwingt. Benötigt das Jugendschutzgesetz eine weitere Überarbeitung? Die Resonanz war jedenfalls gegeben. (http://www.stiftung-gegen-gewalt-an-schulen.de/media/winnenden_amoklaufResonanz.pdf)

Mit grossen Erwartungen wurde auch der Ausgang des Gerichtsprozesses gegen den Vater von Tim Kretschmer erwartet. Nach fünfmonatiger Verhandlung stand das Urteil: Ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung. Der Vater legte Revision gegen das Urteil ein. Die Hinterbliebenen der Opfer wollten, dass ein klares Zeichen gesetzt wird, dass festgestellt wird, dass nicht nur gegen das Waffengesetz verstossen wurde, sondern auch der Tatbestand der fahrlässigen Tötung in 14 Fällen erfüllt sei. Dass nun Revision eingelegt wurde, schmerzt - doch der Verteidiger des Vaters beharrt darauf, dass dieser mit der Situation selbst schon genug gestraft sei.

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Daniel Wendorf am 12 Mrz 2011 @ 10:47
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