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Gewaltspiele: Interview mit Roland Näf

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Im Rahmen der aktuellen Gewaltspieledebatte haben wir ein Interview mit Roland Näf, seines Zeichens Mitglied des Grossen Rates des Kantons Bern, Fraktion SP geführt. Der überzeugte Gegner von Spielen mit brutalem Inhalt stand in der jüngsten Vergangenheit vor allem wegen seiner Klage gegen den Besitzer der Media Markt-Filiale in Muri im Rampenlicht. Wir wollten von dem Politiker mehr über seine Beweggründe und seine Einstellung gegenüber der Spielebranche wissen. Das ungekürzte Mail-Interview wollen wir euch an dieser Stelle nicht vorenthalten.


GBase:

Seit wann sind Sie im Kontakt mit der Thematik der Videospiele, welche Spiele finden Sie gut, welche nicht und seit wann setzen Sie sich mit der Gewaltspielethematik auseinander?

Roland Näf:

Erste Videogames habe ich bereits in den 1980er-Jahren gespielt, zum Beispiel Zak McKracken and the Alien Mindbenders auf dem C64. In den letzten Jahren habe ich kaum mehr aus Unterhaltung gezockt, da mir schlicht die Zeit fehlt. Stranglehold habe ich zur Vorbereitung meiner Strafklage recht umfassend getestet. In Sachen Software-Entwicklung bin ich nicht ganz unbedarft, da ich in den 1990er-Jahren selber Spiel- / Lern-Software entwickelte, die unter dem Namen DigiLingua vom Lehrmittelverlag in Bern vertrieben wurde.

Gewaltspiele Bild
Mein Vorgehen richtet sich nur gegen Games, in denen mit grausamer Gewalt Spielerfolg erzielt wird. Mit anderen Worten: Hätte ich genügend Zeit, könnte ich mir durchaus vorstellen, ein detailreiches, witziges und strategisch anspruchsvolles Game zu spielen. Immer unter der Bedingung, dass Gewalt draussen bleibt. Auch einer LAN-Party könnte ich mit dieser Einschränkung einiges abgewinnen. Ich habe kürzlich mit Schülern besprochen, so etwas bei uns in der Schule als Event zu organisieren.

GBase:

Bei vielen Paradebeispielen für so genannte Gewaltspiele, so etwa auch Counter-Strike, geht es den Spielern um den sportlichen (Mehrspieler-)Wettbewerb und keineswegs um grausame Tätigkeiten. Counter-Strike ist eine Art modernes Räuber-und-Gendarm-Spiel und wird etwa in Deutschland weiterhin offiziell zugelassen, sogar aus sozialen Gründen (Gruppenbildung). Was spricht aus Ihrer Sicht für ein Verbot des Spiels, das sie im Grossen Rat vor allen Anwesenden gezeigt haben?

Roland Näf:

Wenn es den Gamern wirklich nicht um grausame Tätigkeiten geht, dürfte es in Bezug auf die gewählte Software auch kein Problem sein, vollständig auf Gewalt zu verzichten. Es ist kein Problem, attraktive Rollenspiele ohne jede Schlächterei zu entwickeln, und zwar inklusive Wettkampf. Sportlicher Wettbewerb finde ich also ein schlechtes Argument zur Rechtfertigung unerträglicher Gewalt in Games. Um es etwas polemisch zu sagen: Auch Kindesmissbrauch lässt sich als sportlicher Wettbewerb inszenieren, oder ein Wettkampf, wer beim Überfahren von Behinderten und älteren Menschen am meisten Punkte sammelt.

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Ettore Trento

 
Ettore Trento am 09 Jun 2008 @ 00:13
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