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Enemy Front: Review

  Personal Computer 

Nur wenige Wochen nach MachineGames' gelungenem Wolfenstein: The New Order ist mit Enemy Front ein thematisch ähnlicher Konkurrenztitel erschienen. Als Technologiebasis setzt die polnische Spieleschmiede CI Games auf die CryENGINE. Wir haben den im Zweiten Weltkrieg angesiedelten Ego-Shooter auf den Prüfstand gestellt.

08/15-Handlung

In der Rolle des US-amerikanischen Reporters Robert Hawkins schliessen wir uns einer Widerstandsgruppe an und sabotieren strategisch wichtige Stützpunkte der Nazis. Zwischendurch erleben wir in spielbaren Rückblenden, wie und durch welche Umstände sich Hawkins dem Widerstand angeschlossen hat. Die 13 Levels umfassende Story-Kampagne hat dabei durchaus den einen oder anderen treuen Begleiter zu bieten, doch verhindert die oft oberflächliche Umsetzung der Handlung eine emotionale Bindung zu den Charakteren. Nur selten fieberten wir mit den Rebellen mit oder bekamen ein flaues Gefühl in der Magengegend, weil beispielsweise die grausamen Verbrechen der Nazis nur im Ansatz vermittelt werden. Die zwischen mies und mittelmässig schwankende deutsche Sprachausgabe versetzt dem Ganzen einen zusätzlichen Tritt. Sei es durch unfreiwillig komisch wirkende Szenen, in denen der Protagonist sich mitten in einem brenzligen Feuergefecht mit einem Kameraden unterhält, als sässen die beiden bei einer gemütlichen Tasse Tee. Hinzu kommen oft unpassende Betonungen oder Sprecherbesetzungen, die jegliche aufkommende Emotion zunichtemachen.

08/15-Gameplay

Ähnlich unbeholfen umgesetzt wirken grosse Teile der Kampagnenlevels. Im Kern handelt es sich bei Enemy Front um einen Deckungs-Shooter, dem aber ein adäquates Deckungssystem fehlt. Nicht mal um Ecken lehnen ist möglich. Dann ist da noch ein Schleichmodus, der zwar das Wegschleppen von Leichen oder die Nutzung von Gegnern als Schutzschild erlaubt, aber viel zu träge vonstattengeht, als dass er dauerhaft motivieren könnte. Sich jedes Mal mühselig an den Feind heranzupirschen, um ihn dann in einer übertrieben langen Tötungssequenz leise zu überwältigen und seine Leiche nicht weniger langsam vom Präsentierteller zu entfernen, verliert schnell seinen Reiz. Die ganze Prozedur dauert einfach zu lange und ist abgesehen von ein paar winkenden Schleich-Errungenschaften wenig lohnenswert.

Dann doch lieber in die Action stürzen, mit verschiedenen Pistolen- und Gewehrmodellen der damaligen Zeit auf Nazis oder umliegende explosive Fässer ballern. Mit dem recht launigen Scharfschützengewehr schalten wir Ziele von weitem aus, müssen dann aber stets mit einer nicht abschaltbaren und spätestens nach dem fünften Mal langweiligen Bulletcam rechnen. An manchen Stellen dürfen wir gar die Spielumgebung für unsere Zwecke nutzen. Baumstammstabel und unbemannte Militärlaster in Nazilager reinrollen lassen, über Widersacher schwebende Kranlasten herunterschiessen oder auch mal einen Hebel betätigen, der in Wasserpfützen stehende Schergen unter Strom setzt. Zwischendurch nehmen wir an Stand-MGs, Flaks oder Torpedostellungen Platz, um dem Regime einzuheizen. Das Ganze ist durchaus eine nette Abwechslung, aber andererseits leider zu rar gesät und so undeutlich markiert, dass die eine oder andere interaktive Stelle schnell übersehen werden kann.

Gerne übersehen werden auch die nationalsozialistischen Gegner, die farblich in vielen der Spielumgebungen schlichtweg untergehen und nur dank eines groben Richtungsindikators sowie ihres Mündungsfeuers mit Mühe ausgemacht werden können. Dadurch kamen wir uns stellenweise vor wie eine Schiessbudenfigur, zumal wir selbst hinter Mauern teils feindliche Treffer eingesteckt haben. Realistisches Feature oder ein Clipping-Fehler? Beides denkbar, da es durchaus das eine oder andere zerstörbare Material gibt. Holzzäune zerbersten, Glasscheiben zersplittern, Elektronik explodiert in Funkenregen, Vehikel fliegen in die Luft - und ein Klavier gibt bei Beschuss Töne von sich. Gelegentlich gibt's geskriptet einstürzende Treppenhäuser, Wände oder Fabrikhallen sowie vorbeifliegende Kampfflugzeuge. Aber auch in diesem Fall herrscht ein deutlicher Mangel, hätten wir uns doch generell deutlich interaktivere und belebtere Areale gewünscht.

Enemy Front
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Daniel Boll

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Daniel Boll am 10 Jul 2014 @ 19:04
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