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Fallout 76: Review

  Personal Computer 

Fallout goes Survival. In Fallout 76 dürfen wir erstmals zusammen mit anderen Spielern durch das Ödland reisen, ganz ohne Nicht-Spieler-Charaktere. Ob das gut geht oder doch eher ein atomarer Sprengsatz für den Ofen ist, erfahrt ihr im Test.

Alle meine Atome

Schere, Messer, Gabel, Licht, Aschenbecher, Klemmbrett und auch Superkleber. Alles nehmen wir mit. Wofür? Keine Ahnung, aber wenn es da so in rauen Mengen herumliegt, wird das Spiel schon von uns wollen, dass wir uns an dem Besitz der ehemaligen Bewohner des Hauses, in dem wir uns gerade herumtreiben, bedienen. Sie brauchen sie schließlich nicht mehr, da sie tot sind. Vermutlich pulverisiert von einer nuklearen Explosion oder vielleicht erst durch die Folgen der radioaktiven Verseuchung verstorben. Ist ja eigentlich auch egal, fragen können wir eh niemanden mehr. Es ist nämlich niemand mehr da, außer ein paar durchgedrehte Mr. Handys und ein absurd großer Berg an Holobändern. Für einen kurzen Moment halten wir inne und beginnen wieder zu zweifeln ob der Sinnhaftigkeit unseres Tuns. Klar, unser Haus kann sich mittlerweile echt sehen lassen, und die Power-Armor in der Garage hat noch nie so schön geglänzt wie jetzt. Aber für wen tun wir das eigentlich? Und mit welchem Ziel? Zwar laufen hier in Appalachia noch andere ehemalige Vault-Bewohner herum, doch sind das entweder hirnverbrannte Spinner, die uns zuwinken, bis ihnen der Arm abfällt, oder mörderische Sadisten, die Jagd auf uns machen. Kein Beziehungsmaterial also. Bevor wir weiter in der Spirale des Selbstzweifels versinken, schütteln wir uns. Ist ja eigentlich auch egal. Jetzt sind wir hier und machen das Beste daraus. Am besten gehen wir einfach noch mal auf die Straße und erlegen ein paar Ghule. Auch wenn uns ihre unförmigen Bewegungen selbst nach etlichen Tagen noch irritieren. Vermutlich kommt das von der Strahlung.

Mit Fallout 76 versucht Bethesda neue Wege zu gehen und verknüpft einen Großteil der Fallout-4-Formel mit Elementen aus dem Survival-Genre. Insbesondere mit dem Housing als Schwerpunkt wurde dafür ein überzeugendes Setting gewählt. Als Bewohner von Vault 76 liegt es nämlich an uns, das vom nuklearen Krieg verwüstete Amerika wieder aufzubauen. Angefangen in Appalachia. Leicht verkatert von der Rückeroberungsparty, wanken wir also aus unserem Bunker und stellen mit Erschrecken fest: das Ödland ist leer und verdammt öde. Zwar ist es nicht überraschend, dass die Hauptstory in einem Survival-Game eher mager ist, doch die Geschichte von Fallout 76 ist durch ihre fehlenden Nicht-Spieler-Charaktere so speziell, dass vermutlich nur Archäologen Spaß daran finden. Die Idee, den Spuren einer untergegangenen Überlebendengruppe zu folgen und dabei ein bedrohliches Rätsel zu lüften, ist durchaus interessant. Allerdings wird diese Geschichte nahezu ausschließlich von viel zu langen Holobändern und geradezu lächerlich vielen Tagebucheinträgen erzählt. TL;DR ("Too Long; Didn't Read") lässt grüßen. Die Nebenquests werden in der Regel ähnlich erzählt und bieten daher leider auch eher mäßigen Spaß, sind aber durch ihren geringeren Umfang zumindest etwas kurzweiliger.

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Doch die Story ist ja nicht das Kernelement eines Survival-Games, sondern das Sammeln, Craften und Bauen. Hier sieht es schon wesentlich besser aus. Wie bereits in Fallout 4 können wir nahezu alles einsammeln, was nicht niet- und nagelfest ist. Das ist aufgrund der Masse an Gegenständen, die in der Welt verteilt sind, zuweilen etwas anstrengend, da man sich geradezu dazu zwingen muss, Dinge auch einfach mal liegen zu lassen. Zwar ist die Zahl der sammelbaren Gegenstände nahezu unbegrenzt, unser Rucksack ist es jedoch bei Weitem nicht. Insbesondere wenn wir mehr als eine Schusswaffe mit uns führen, sind wir sehr schnell überladen. Doch auch abgesehen davon wissen wir manchmal nicht, woher die ganze Last kommt, bis wir feststellen, dass es das Kleinvieh ist, das hier den größten Mist produziert. Die Folgen sind ein ständiges Verwalten des Inventars und die Suche nach der nächsten Werkbank bzw. Lagertruhe, um uns zu erleichtern. Etwas flotter von der Hand geht da das Craften. Mit nur einem Klick können wir sämtlichen Schrott auseinandernehmen, und auch das Zerlegen von Waffen und Rüstungen geht schnell und unkompliziert. Aus den Einzelteilen können wir dann neue Waffen und Rüstungen bauen oder bereits vorhandene Ausrüstungsgegenstände modifizieren. Dafür bietet uns das Spiel im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Modifikationen, die das Ganze durchaus reizvoll gestalten. Doch auch Kochen gehört zum festen Bestandteil des Spiels. Da wir regelmäßig essen und trinken müssen, ist der wiederholte Gang zum Kochtopf obligatorisch, jedoch durch seine simplen Rezepte zu keinem Zeitpunkt eine lästige Pflicht.

Auch der Häuserbau kann sich sehen lassen. Mit dem praktischen C.A.M.P.-Tool können wir (fast) überall unser Lager aufschlagen und unseren Traum vom Eigenheim verwirklichen. Dank einer großen Menge nützlicher und dekorativer Gegenstände können sich Housing-Enthusiasten hier wirklich ausleben. Zwar ist die Größe des eigenen Hauses begrenzt, doch für ein stattliches, befestigtes Wohnhaus reicht es allemal. Das Beste ist jedoch, dass dies völlig optional ist. Wer sich für das (durchaus zeitaufwendige) Bauen von Häusern nicht erwärmen kann, wirft stattdessen einfach ein paar Werkstationen in die Wildnis und wird damit auch zurechtkommen. Ebenfalls praktisch ist, dass wir unser Lager jederzeit abbrechen und woanders wieder aufschlagen können. Zwar müssen wir dann wieder alles von vorn bauen, doch werden alle bereits hergestellten Bauteile eingelagert, sodass wir keinen erneuten Ressourcenverbrauch zu befürchten haben.

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Jakob Gustavs

Jakob Gustavs am 14 Jan 2019 @ 10:38
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