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The Talos Principle: Review

  Personal Computer 

Der Serious-Sam-Schöpfer Croteam betritt mit The Talos Principle Genreneuland und liefert ein Portal-ähnliches Rätselspiel ab, das nicht nur spielerisch intelligent gemacht ist. Wir haben uns die Perle ins Testlabor geholt.

KI-Philosophie

Wir erwachen in Roboterform auf einer Art Altar. Eine gottähnliche Stimme, die sich selbst Elohim nennt, gibt uns erste Anweisungen. Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin sollen wir? Das sind existenzielle Fragen, die The Talos Principle nur häppchenweise beantwortet - wenn überhaupt. An Wänden angebrachte QR-Codes mit Texten von Geschöpfen, die vor uns hier gewesen sein müssen und Versionsnummern besassen, aber auch vielerorts herumstehende Terminals legen zunächst den Schluss nahe, dass wir uns als fortschrittliche künstliche Intelligenz in einer Simulation befinden. Aber falls das stimmt, wozu dann ein Gott? Und warum haben wir über die Terminals im DOS-Look Zugriff auf die Mail-Korrespondenz der angeblichen Entwickler und Wissenschaftler?

Damit nicht genug der Verwirrung, meldet sich in schöner Regelmässigkeit auch noch ein digitaler Bibliotheksassistent, der die Weisheit offensichtlich mit Löffeln gefressen hat, in den Terminals zu Wort und verwickelt uns in philosophische Diskussionen. Seine arrogant-launische Art ist anfangs amüsant, erinnert zeitweise gar ans Trollen, doch regt er mit seinen intelligent gestellten Fangfragen und Antithesen tatsächlich zum Nachdenken an. Als wir beispielsweise vorschnell antworteten, dass Menschen Personen sein können, Tiere aber nicht, erwiderte die Chat-KI, warum dann Firmen oder Stiftungen als juristische Personen definiert werden, aber Tieren dieses Recht abgesprochen werden könne. Und wären Tiere Personen, dürfte man sie dann noch essen? Und falls ja, könnten dann nicht auch Menschen auf dem Speiseplan stehen? An anderer Stelle will er uns vermitteln, warum man nicht gleichzeitig Freiheit und Sicherheit haben könne. Eine Demokratie-kritische These, die ein flaues Gefühl im Magen erzeugt, aber natürlich exzellent zum aktuellen Zeitgeschehen passt. Stichwort: NSA-Affäre oder Terrorprävention. Ob wir zustimmend, ablehnend oder gar ignorant reagieren, wirkt sich zumindest augenscheinlich auf spätere Gespräche aus. Nebenbei warnt der Klugscheisser uns übrigens immer wieder vor Elohim, stellt Religionen und Glauben an sich in Frage und will uns dazu bringen, einen sagenumwobenen Turm zu erklimmen. Ein Bauwerk, dessen Betreten uns Elohim persönlich verbietet.

(K)Ein Klon

Das hochinteressante, intelligente Story-Konstrukt ist natürlich nur der Klebstoff, der die verschiedenen, mit Rätseln gespickten Schauplätze miteinander verbindet. Die mittelalterlichen Burgruinen, altägyptischen Bauwerke und paradiesischen Inselwelten sind mit in sich abgeschlossenen Rätselkammern versehen. Ziel ist es, an Tetris-ähnliche Blöcke zu gelangen, die wiederum an anderer Stelle in einem Minipuzzle zum Einsatz kommen und Zugänge zu weiteren Bereichen öffnen. Wir bewegen uns wahlweise aus der Ego- oder einer Third-Person-Perspektive durch die Spielwelt. Mit dem Fadenkreuz anvisierte Objekte können via linker Maustaste aufgenommen, abgesetzt oder mit anderen Gegenständen kombiniert werden. Der Schwierigkeitsgrad von The Talos Principle ist nicht ohne, zieht aber sehr gemächlich an und führt die Spieler sanft an die Mechanik heran. Hantieren wir zu Beginn primär mit so genannten Jammern (Störern) herum, die Energiebarrieren, Selbstschussanlagen und explosive Schwebedrohnen temporär lahmlegen, kommen sukzessive weitere Werkzeuge hinzu. Die Komplexität steigt also zusehends.

Später gilt es immer öfter, verschiedene Hilfsmittel miteinander zu kombinieren, teils unter Zeitdruck zu agieren und - was wir besonders genial finden - sogar mit von uns selbst vorher erstellten Ghost-Aufnahmen zu kooperieren. Hierzu ein Beispiel: Ein blaues Zielfeld muss mit einem blauen Laserstrahl verknüpft werden, damit eine Energiebarriere verschwindet. Nun haben wir einen so genannten Reflektor, den wir aufsammeln und an beliebiger Stelle platzieren dürfen. Dumm nur, dass der Laserstrahl um mehrere Ecken zum Zielfeld geleitet werden muss, dies aber mit nur einem Reflektor nicht möglich ist. Die Lösung: Wir betätigen das Ghost-Schaltfeld, bringen den Reflektor in die passende Position und lassen die Aufnahme sicherheitshalber noch etwas länger laufen. Ein weiterer Klick beendet die Aufnahme. Direkt darauf erscheint unser Klon, der exakt die zuvor von uns getätigten Bewegungen und Aktionen wiederholt. Nicht aber mit unserem echten Reflektor, sondern mit seiner Ghost-Variante. Wir haben nun also für den Zeitraum der Aufnahmewiederholung zwei Reflektoren zur Verfügung, können Laserstrahl mit Zielfeld problemlos verbinden und vor Ende der Abspielphase schnell durch den offenen Zugang flitzen, wo der Tetris-Baustein samt Notausgang auf uns wartet.

The Talos Principle
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Daniel Boll

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Daniel Boll am 28 Jan 2015 @ 18:36
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