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Vermeer 2: Review

  Personal Computer 


Vermeer war niederländischer Maler, der sich unter anderem sein Brot mit dem Verkauf exzellent gefälschter Gemälde anderer Maler verdiente. So kann man sich auch einen Namen machen, und muss nicht unbedingt dickliche Frauen malen oder wilde Farbspiele auf die Leinwand klatschen. Das nach diesem Maler benannte Computerspiel Vermeer ist nicht wirklich neu. Anfang der 90er genoss das Spiel noch einen Insider-Kultstatus unter C64-Usern. Am Spielprinzip hat sich seither nicht viel geändert. Noch immer geht es darum, die gestohlenen Gemälde des todkranken Onkels zu finden, sie einzukaufen, und sich damit den Platz als Erbe Nr. 1 zu sichern.

Vermeer, der Vermehrer

Genauer gesagt handelt es sich bei eurem Onkel um Onkel Walther, und der hat sich die Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg zunutze gemacht, um Reichtümer anzuhäufen. Als Herr über mehrere Plantagen weltweit, konnte er so eine stattliche Gemäldesammlung in seinen Galerien unterbringen. Jetzt, in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, seid ihr zusammen mit vier anderen Nichten und Neffen am Zug, das Erbe des Onkels in eure Obhut zu bringen. Wer ihm die meisten und wertvollsten Gemälde vor seinem Ableben zurück bringt bekommt all die Kohle. Das lohnt sich also.

Tipps hat er auch gleich parat, der gute Onkel Walther. Diesen zufolge müsst ihr nur in die gleichen Fussstapfen treten, rund um den Globus Plantagen für beispielsweise Tee oder Kaffee aufbauen, und mit dem verdienten Geld die gestohlenen Gemälde zurück kaufen. Denn die landen früher oder später sowieso auf irgendwelchen Kunstauktionen. Gespielt wird praktisch wie auf einem grossen Brett. Auf der bunten Weltkarte könnt ihr sehen, wohin eure Mitstreiter reisen, wo bald Auktionen statt finden und eine Übersicht über die Plantagen gewährt sie auch. Längere Reisen beanspruchen natürlich mehr Zeit. Zeit ist in Vermeer 2 sehr kostbar. Es muss also gut geplant sein, wenn ihr gerade in Ankara Plantagen pflegt und in zehn Tagen eine Kunstauktion in Berlin oder Paris auf dem Plan steht. Kommt ihr zu spät, könnte einer eurer Mitstreiter den Zuschlag für ein wertvolles Gemälde erhalten.

Euer Onkel zeigt sich für fast jedes Gemälde dankbar und belohnt die Anschaffung für seine Galerie mit Siegpunkten. Für Originale gibt es die meisten Siegpunkte, für billige Fälschungen gar keinen Punkt, aber die Fälschungen von Vermeer werden ebenfalls belohnt. Die Fälschungen bleiben dann solange in Onkels Galerie hängen, bis ihr ein Original beschafft. Wer am Ende des Wettstreits die meisten Siegpunkte hat, gewinnt auch das Spiel um die Erbschaft. Ein alternativer Spielmodi erlaubt zudem den Sieg nach dem grössten Geldgewinn. Netzwerkspiele sind leider nicht möglich, dafür so genannte Hotseat-Sessions an einem PC mit bis zu vier Mitspielern. Fünf Mitstreiter um die Gunst des Onkels sind immer im Rennen ? entweder in menschlicher Person oder vom Computer gesteuerte Figuren.

Kenner sehen Rot

Als besonderes Gimmick liegt der Verpackung eine sogenannte A(u)ktionsbrille bei. Das billige Accessoire aus Pappe und roter Folie ermöglicht es euch, auf Kunstauktionen gefälschte Gemälde von Originalen unterscheiden zu können. Einfach vor die Augen halten, das Gemälde auf dem Bildschirm betrachten, und schon wird ein Text durch die rote Folie lesbar, der euch den Namen des Künstlers verrät oder plump ein ?Falsch? ausgibt. Wer diese Funktion nutzen möchte, muss vorher im Spiel einen zweiwöchigen Kunstkurs zur passenden Kunstrichtung besucht haben. Nette Idee, die an die simplen Kopierschutze aus frühen Computerspiele-Zeiten erinnert.



Bares fliesst aus vielen Quellen, nicht allein aus den Warenverkäufen der Plantagen-Erzeugnisse. Beispielsweise könnt ihr einen Kredit bei der Bank aufnehmen, den ihr dann aber natürlich zurückzahlen müsst. Oder aber ihr spekuliert mit Wertpapieren an der Börse oder wettet ganz einfach beim Pferderennen mit. Dafür gibt?s zwar nicht allzu viel Kohle, dafür steigt parallel dazu euer Ansehen bei Onkel Walther. Ebenfalls hoch im Kurs sind langwierige Expeditionen oder einfach nur die Besuche beim Onkel selbst. Zweck der Sache ist die alljährlich statt findende Jahrestombola zu Silvester, bei der kostenlos ein weiteres Gemälde an denjenigen Spieler vergeben wird, der das höchste Ansehen im Club der Elite geniesst.

Das Treiben der Spieler wirkt sich effektiv auf den Warenmarkt aus. Wird beispielsweise Kaffee im Überfluss angebaut, sinken auch die Preise für diesen und für Tee wird mehr bezahlt. Das ist zwar kein allzu komplexes Wirtschaftssystem, der Profi ist also schnell unterfordert, doch für den Einsteiger in Sachen Wirtschaftsspiel kommt das simple Spielprinzip genau richtig. Apropos Kaffee und Tee: Natürlich müssen auch die Löhne der Plantagen-Bauern bezahlt werden. Das macht ihr immer bei euren Besuchen am Ort des Geschehens. Ein bisschen Planspiel mit dem Geld ist also zwingend notwendig, um im Wettstreit überhaupt bestehen zu können.

Fazit Headhunter

Hersteller Ascaron hätte deutlich mehr aus diesem Titel machen können und sollen, als nur die buntere Kopie des verstaubten Originals abzuliefern. Den Namen Vermeer hat man also tatsächlich ernst genommen. Viel zu entdecken gibt es nicht. Das Spiel wird schnell verstanden, die Wirtschaft ist schnell durchschaut und eine echte Herausforderung gibt es höchstens dann, wenn ihr gegen menschliche Spieler antretet. Die müssen sich dann den Platz vor einem PC teilen, was zu Wartezeiten führt, bis jeder mit seinem Spielzug fertig ist. Ärgerlich. Auf die Ohren gibt?s so gut wie gar nichts. Ausser einer stimmungsvollen zu den 20ern passenden Musik nimmt das Ohr wenigstens noch ein paar Geräusche beim Pferderennen oder die von Dampfschiffen war, wenn diese symbolisch über das Spielbrett reisen. Ansonsten ist der Sound zu spärlich geraten. Auch die grafische Präsentation kommt der Klasse eines echten Vermeers längst nicht nach. Zwar sind die 36 Gemälde fast bildschirmgross und farbenfroh dargestellt, der Rest des Fests ist aber öde und trist. Gut, die gerenderten Bildchen von den grossen Städten dieser Welt können gerade noch so gefallen. Aber bis auf einen Ballon, der durchs Bild fliegt, oder etwa einen plätschernden Wasserbrunnen und andere Mini-Animationen fällt die Grafik in einen Dornröschenschlaf. Da reissen auch die starr aussehenden Pferde mitsamt ihrer Reiter, die auf statischem Hintergrund im Kreis laufen, nicht mehr das Ruder rum. Kurz gesagt: Vermeer 2 fehlt das gewisse Etwas. Zumal die Langzeitmotivation wegen erhöhter Einfachheit und mangelnder spielerischer Abwechslung von vornherein beschnitten ist. Nette Fälschung eines alten Klassikers, mehr aber auch nicht.

Vermeer 2
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Admin am 06 Mrz 2005 @ 20:57
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