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Thimbleweed Park: Review

  Personal Computer 

Ron Gilbert und Gary Winnick lieferten in den späten 1980ern und den frühen 1990ern als Teil von Lucasfilm Games bzw. LucasArts Meilensteine des Adventure-Genres ab. An Achtungserfolge wie Monkey Island 1 & 2 oder Day of the Tentacle konnten sie jedoch mit jüngeren Projekten nicht mehr anknüpfen. 2014 starteten sie zusammen eine Crowdfunding-Kampagne zum Retro-Adventure Thimbleweed Park und stellten selbiges vor Kurzem fertig. So viel sei dem folgenden Testbericht vorweggenommen: Das Spiel überrascht in vielerlei Hinsicht!

Krimi-a-boo

Thimbleweed Park ist nach dem gleichnamigen Schauplatz des Spiels benannt, in dem ein junger Mann im Jahr 1987 ermordet aufgefunden wird. Das Besondere: Seine letzten Atemzüge bekommt ihr live mit, ist er doch der erste einer Reihe von Charakteren, in deren Rolle ihr zeitweise schlüpfen werdet. Sein Mörder bleibt dennoch vorerst unentdeckt, denn nach dem tragischen Tod übernehmen die Agenten Ray und Reyes das Ruder. Oder vielmehr ihr, denn die nächste Zeit steht das Duo im Mittelpunkt des Geschehens. Über ein Auswahlmenü in der oberen rechten Bildschirmecke kann zwischen den beiden gewechselt. Später gesellen sich weitere Personen hinzu, die alle mehr oder weniger ihre eigenen Ziele verfolgen und deren Schicksal miteinander verwoben scheint.

Im ersten Spieldrittel habt ihr von der Charaktervielfalt nicht viel, da auf Zusammenarbeit ausgelegte Rätsel rar gesät sind. Sprich: In unserem Fall stand Reyes die meiste Zeit ungenutzt im versifften Toilettenraum des Quickie-Pal-Shops herum, während wir mit Ray, deren rotzig-kühle Art uns sowieso besser gefällt, das Gros der Aufgaben lösten. Auf Wunsch ginge das auch umgekehrt, denn abgesehen von der unterschiedlichen Sprachausgabe ähneln sich sogar Dialoge und Reaktionen auf von euch ausgelöste Aktionen stark. Das nimmt natürlich einen Teil des Zaubers der Charakterauswahl – und wird später kaum besser, da womöglich alle fünf spielbaren Hauptpersonen beim Betrachten der Leiche im Park oder einer Mülltonne exakt dasselbe von sich geben.

Diversität gibt es bei den jeweils exklusiven Missionszielen der Figuren, die jederzeit stichpunktartig in einem Notizbuch abgerufen werden können. Um einen Obdachlosen dazu zu bewegen, ein Objekt für Reyes zu reparieren, müssen zwei andere Protagonisten an anderer Stelle jeweils bestimmte zeitkritische Aktionen ausführen. Und eine davon erfordert jemanden, der vor einer speziellen Sache nicht zurückschreckt. In diesen Momenten geht das Mehr-Charakter-Konzept voll auf – und obschon es derlei Situationen durchaus häufiger gibt, wäre insgesamt betrachtet weniger mehr gewesen. Sprich: Nur drei steuerbare Helden, dafür aber in jeder Hinsicht abwechslungsreich und konsequent gestaltet.

Rätsel-a-reno

Sei's drum, denn Thimbleweed Park kann an anderer Stelle seine Stärken ausspielen. Das nicht ganz ernst gemeinte Werbeversprechen, es gebe alle zwei Minuten einen Scherz, wird gefühlt erfüllt. Die Zeit gestoppt haben wir natürlich nicht, aber das Spiel ist ohne Frage ein Gag-Feuerwerk sondergleichen. Gilbert und Winnick nehmen nicht nur ihre alten Klassiker, sondern das gesamte Genre auf die Schippe – und die Spieleindustrie als solches gleich mit. Vielerorts finden sich Anekdoten und Seitenhiebe, darunter eine Kettensäge, ein Hamster und eine Mikrowelle. Dabei spielen die Entwickler geschickt mit eurer Erwartungshaltung, denn welcher alte Adventure-Hase wird nicht direkt einen Nagetier-Snack für zwischendurch zubereiten wollen? Auf solche und ähnliche Versuche folgen lustige wie unerwartete Reaktionen, die Genrekennern mehr als ein Schmunzeln entlocken werden, aber für Neulinge wahrscheinlich nicht weniger witzig sind – nur eben auf andere Art. Abseits von Insider-Gags gibt es auch viel zu lachen. Alleine der Sheriff und seine Doppelgänger dürften kaum ein Auge trocken lassen.

Mal von dem bereits erwähnten Problem der mangelhaften Charakterdiversität abgesehen, bietet das Spiel größtenteils sehr originelle und logische Rätsel. Es ist empfehlenswert, sich Zettel und Stift bereitzulegen – alleine schon wegen des Telefonnetzes des Örtchens samt umfassendem Telefonbuch, das nicht nur lösungsrelevante Details bietet, sondern auch dutzende, mit Telefonen in der Spielwelt abrufbare Sprachnachrichten etwa von Entwicklern und Crowdfunding-Unterstützern. Letztere trugen zudem maßgeblich zur Füllung der Ingame-Bibliotheken bei, die mit der einen oder anderen Mini-Kurzgeschichte aufwarten.

Thimbleweed Park
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Daniel Boll

Thimbleweed-Park


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Daniel Boll am 03 Apr 2017 @ 14:36
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