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Human: Fall Flat: Review

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Ist doch dein Problem

Ein Beispiel? Im Spielverlauf finden wir uns auf einem isolierten Felsplateau und finden neben einem Brett auch eine Art Rundholz und einen Amboss. Eine schwere Steintür verwehrt uns den Weg zu einem unterirdischen Höhlensystem, durch das wir den Weg auf das nächste, tiefer gelegene Plateau finden, das wir von oben bereits sehen können. Ein großer Abgrund trennt uns von diesem Plateau. Wir versuchen mit Bob, den Sprung zum nächsten Plateau zu meistern, stürzen aber in die Tiefe. Keine Option also. Der offensichtliche Weg ist klar: Mit dem Brett und dem Rundholz bauen wir eine Art Wippe, auf die wir den Amboss werfen und dadurch das schwere Steintor anheben, um ins Höhlensystem zu gelangen. Das Ganze mit Bobs motorischen Fähigkeiten zusammenzubauen und richtig zu platzieren, hätte uns zweifellos mehrere Minuten gekostet. Doch wir haben eine andere Idee. Stattdessen schieben wir das Brett vorsichtig bis an den Rand des Plateaus, gerade so weit, dass es beinahe kippt. Dann beschweren wir das hintere Ende des Bretts mit dem Amboss und haben uns somit ein Sprungbrett gebaut. Todesmutig wagen wir erneut den Sprung vom oberen aufs untere Plateau und fahren vorsorglich Bobs Arme aus – und tatsächlich: mit den Händen kann Bob den Rand des anderen Plateaus gerade so greifen und baumelt am Abgrund. Jetzt müssen wir nur noch Bobs Prachtkörper durch Einsatz der Analogsticks über den Rand des Plateaus wuchten und schon sind wir oben. Ja, wir haben das Höhlensystem komplett außer Acht gelassen. Ja, wir haben das offensichtliche Rätsel der Entwickler einfach ignoriert. Und ja, das Spiel speichert an dieser Stelle trotzdem automatisch, denn wir sind im nächsten Abschnitt – und es ist eben einfach herrlich egal, wie wir das geschafft haben.


An anderer Stelle finden wir uns in einem Raum wieder. Die einzige offene Tür ist einen Abgrund von uns getrennt, durch ein vergittertes Fenster können wir nach draußen blicken. Neben uns liegt ein langer, massiver Stab. Was tun? Die einen Spieler nehmen den Stab in die Hand, rennen auf den Abgrund zu und rammen den Stab so in die Lücke, dass er Bob wie einen Stabhochspringer über den Abgrund katapultiert. Ziel erreicht. Die anderen Spieler haben den Trailer zum Spiel gesehen, stecken den Stab durch das vergitterte Fenster und biegen so die Eisenstangen auseinander, so dass sie hindurch klettern können. Wie gesagt, es gibt in diesem Spiel kein richtig oder falsch, es gibt nur schaffen oder eben nicht schaffen. Und genau diese enorme Freiheit eurer Entscheidungen macht Human: Fall Flat so reizvoll. Hinzu kommen die immer klar nachvollziehbare Physik und das Rätseldesign. Frust gibt es kaum, da Human: Fall Flat es schafft, eher zu motivieren, anstatt zu frustrieren. Denn klar ist: Jedes Rätsel ist lösbar, jedes Problem kann mit den Objekten im Spiel irgendwie bewältigt werden. Es geht immer irgendwie; man muss nur drauf kommen, wie!

Am Ende hat uns der ungewöhnliche Rätseltitel rund vier Stunden beschäftigt, ehe wir mit Bob ohne Vorwarnung durch den letzten Ausgang und durch die Credits stürzten. Dass es keinen Funken einer Story gibt, stört da eigentlich nicht weiter. Es überwiegt die Befriedigung, alle Rätsel gelöst und alle acht Ausgänge entdeckt zu haben. Mehr noch, fühlten wir uns sogar dabei ertappt, einzelne Levels aus dem Menü heraus noch einmal anzuwählen, um zu sehen, ob man bestimmte Passagen nicht doch auch anders hätte lösen können. Ein ebenso faszinierendes wie absolut puristisches Spiel.

Human: Fall Flat
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Tobias Kuehnlein am 26 Aug 2016 @ 14:18
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