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Fallout 76: Review

  Personal Computer 

Wenn der Traum zum Albtraum wird

Ebenfalls wenig zu befürchten haben wir bei dem Aufeinandertreffen mit anderen Spielern. Das geschieht nämlich recht selten und ist hinreichend unspektakulär. Es gibt schlichtweg keinen Grund, sich mit anderen Spielern auseinanderzusetzen, es sei denn, man will sich prügeln. Weder die Quests noch die Events laden wirklich dazu ein, sich zusammenzuschließen. Die Masse an handelbaren Gegenständen ist zudem derart absurd gigantisch, dass ein vernünftiger Handel nicht mal eben durch Zufall zustande kommt – zumal wir letzten Endes ja eh alles selbst organisieren können. Ein wahrer Graus ist jedoch der Ingame-Voicechat. Bethesda hat nämlich auf zwei wesentliche Kernelemente verzichtet: Soundqualität und eine Push-to-Talk-Funktion. Entsprechend klingt die Soundkulisse in der Nähe anderer Spieler ungefähr so:

"BRRRRUUuuuMMMMmmmm zschhhhhh klick, wrrRRRrrrRRRRR klick klick klick rülps zschhkkk"

Wir müssen wohl nicht extra erwähnen, dass wir den Voicechat schneller als unser Schatten ausgestellt haben. Kommunikation mit fremden Spielern ade.

Also ballern und hacken wir uns lieber allein durch die Ödnis. Die ist zwar hier und da durchaus schön und detailverliebt gestaltet, hat aufgrund ihrer Leere jedoch nicht viel zu bieten. Außer natürlich Gegner. Hier treffen wir hauptsächlich auf altbekannte Feinde. Neu sind jedoch die Verbrannten, wobei es sich allerdings nur um eine Zombie-ähnliche, noch dümmere und hässlichere Version der Ghule handelt. Das Schießen ist aufgrund der leichten Latenzprobleme und abgehackten Bewegungen der Gegner mitunter etwas fummelig, kann aber dennoch durchaus unterhalten. Hier bietet ein großes, modifizierbares Waffenarsenal durchaus Abwechslung. Etwas fragwürdig ist jedoch die Levelverteilung der Gegner. Wo wir eben noch auf Verbrannte der Stufen 3 und 6 gestoßen sind, schlendert in nächster Sekunde ein Supermutant mit Stufe 46 um die Ecke. Die Platzierung der Widersacher wirkt zuweilen etwas wahllos, und es gibt auch keine fließende Stufensteigerung, sodass ein ausgewogener Anstieg des Schwierigkeitsgrades vergeblich gesucht wird. Zumindest das eigene Stufenaufsteigen funktioniert dafür ganz gut. Das Kartensystem kombiniert mit dem altbekannten S.P.E.C.I.A.L.-Konzept kann mit großer Auswahlmöglichkeit und der Möglichkeit, jederzeit die Karten auszutauschen, überzeugen und animiert zum Leveln.

Fallout 76 Screenshot

Technisch sieht es ebenfalls eher mäßig aus bei Fallout 76. Die Ladezeiten laden dazu ein, während der Wartezeit sich einen Kaffee zu machen und noch mal die Relativitätstheorie von Albert Einstein nachzuschlagen. Die konstanten Latenzprobleme sind ebenso alles andere als schön. Grafisch spielt der Rollenspiel-Survival-Mix im soliden Mittelfeld mit. Insbesondere von Weitem sieht die Landschaft durchaus hübsch aus (wenn wir von Fehlern bei der Darstellung des Lichtes einmal absehen), und von Nahem müssen wir zwar durchaus mit verwaschenen Texturen rechnen, doch in einem sehr erträglichen Maße.

Wie soll Fallout 76 nun also bewertet werden? Ganz klar ist es das schwächste Spiel von Bethesda, das den Titel "Fallout" trägt. Jedoch kann es nicht wie ein Fallout 3 oder 4 beurteilt werden, denn schließlich ist es kein klassisches Rollenspiel. Zugutehalten muss man den Entwicklern, dass sie etwas Neues mit einem alteingesessenen Franchise versucht haben. Jedoch haben sie sich leider ein Genre ausgesucht, das ihr Experiment von Anfang an zum Scheitern verurteilt hat. Denn kaum ein anderer Bereich ist derart durchsetzt mit ganz grundlegenden und konzeptionellen Problemen wie das Survival-Genre. Auf dem Papier hören sich Schlagwörter wie "Absolute Freiheit", "Unendliche Möglichkeiten" oder "Fokus auf Spielerinteraktion" zwar ganz großartig an, doch am Ende scheitert es jedes Mal wieder. Das Ergebnis sind Antriebslosigkeit aufgrund eines fehlenden Ziels/Endes, Überforderung, weil es keinen Leitfaden gibt, an dem sich orientiert werden kann, und Frustration, weil Gamer nun mal Trash sind und sich nicht für soziale Interaktionen eignen.

Fallout 76
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Jakob Gustavs am 14 Jan 2019 @ 10:38
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