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American McGee's Grimm - Staffel 1: Special

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American McGee hat seit seinem Weggang von id Software ein eher durchwachsenes Portfolio an Spielen hervorgebracht. Während die düstere Fassung von Alice im Wunderland auf Basis der Quake III Arena-Engine noch absolut begeistern konnte, konnte man über bizarre Genremixturen wie Scrapland und Bad Day L.A. geteilter Meinung sein. Nun wagt sich der Spieldesigner an die Versoftung bekannter Gebrüder Grimm-Geschichten heran, die episodenweise und natürlich wieder in einer dunklen, boshaften Form erscheinen.

Grundlegendes

Als Plattform für die regelmässig erscheinenden Episoden wählte American McGee das US-Download-Portal GameTap. Einmal wöchentlich wird eine neue Horror-Vision eines Grimm-Märchen veröffentlicht werden. Als besonderer werbewirksamer Clou wird jede Episode nach ihrer Veröffentlichung 24 Stunden lang zum kostenlosen Herunterladen bereitstehen. Danach ist eine bislang noch nicht näher definierte Summe zu bezahlen. Die erste Episode, also sozusagen der Staffelpilot, ist als Schnupperangebot zeitlich unlimitiert gratis.

Grimm: A Boy Learns What Fear Is

Der titelgebende Grimm ist nicht etwa auf einen der Schriftstellerbrüder bezogen. Nein, er ist vielmehr ein kleiner Teufel, dessen einziges Ziel es ist, Unheil über die Welt zu bringen. Wie passend, ist die ursprüngliche Bedeutung von Grimm doch Zorn. Erstes Einsatzgebiet ist das "Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen". Im Hauptmenü könnt ihr im so genannten Light Theatre die normale, harmlose Erzählung in Form eines Puppentheaters anschauen, danach geht's ins Spiel.

Sechs Levels müsst ihr bewältigen, wobei jedes Areal einen Handlungspunkt des Märchens darstellt. Im Falle der ersten Episode sind das Stationen, in denen der Junge vor Situationen steht, die ihm Angst lehren sollen. Der Grimm hat aber ganz eigene Vorstellungen, wie das genau auszusehen hat. Im Prinzip handelt es sich bei dem Spiel um ein Jump 'n' Run der ungewöhnlichen Sorte. Ihr steuert den vollbärtigen, ungepflegten Schmutzteufel aus einer Third-Person-Perspektive und schiebt ständig einen Radius voll Verdorbenheit vor euch her. Blühende Pflanzen werden zu blutspuckenden Karnivoren, Spielplatzgeräte zu leichenbedeckten, blutverschmierten Folterinstrumenten. Das alles geschieht in Echtzeit und ist zumindest anfangs sehr nett anzusehen.

Je mehr Unheil ihr anrichtet, desto höher steigt eure Verdorbenheitsstufe. Das ist wichtig, können doch manche Objekte und Lebewesen erst ab einer bestimmten Stufe verdorben werden. Gutmütige Hündchen oder Dorfbewohner machen das Desaster, das ihr anrichtet, nämlich gerne wieder rückgängig. Also heisst es, genug Schaden zu verursachen, um die ekelhaft glücklichen Menschen und Tiere in blutrünstige, bösartige Kreaturen zu verwandeln. Erst eine hohe Verdorbenheitsstufe lässt euch also vorankommen und wichtige Schlüsselstellen bestehen. Positiver Nebeneffekt: Eure Sprungreichweite erhöht sich stetig mit und kann anhand von Grimms Pinkelreichweite eingeschätzt werden. Kein Scherz, wenn der Miesmacher stillsteht, holt er seinen Schniedel raus und pinkelt fröhlich drauf los. Erinnert an Postal 2 und ist ähnlich sinnlos, allerdings auch lustig, wenn es Dorfbewohner trifft und die sich angewidert darüber beschweren.

Eigentlich kommt ja die Unreal-Engine 3 zum Einsatz, doch wer das nicht weiss, würde sie niemals auf den ersten oder zweiten Blick erkennen. Blasse Texturen beherrschen den eckig-schrägen, bunten Comiclook. Feuer und Rauch werden in Form von Bitmap-Grafiken visualisiert. Trotzdem ist der Optik ein gewisser trashiger Charme nicht abzusprechen. Auf Sound-Seite wurde ähnlich mit Effekten gespart, erwartet also in technischer Hinsicht keine Wunder.

Fazit von Daniel Boll

Kennt ihr das Freeware-Spiel Battle Painters? Ziel ist es dort, eine leere Fläche so schnell wie möglich unter Zuhilfenahme von Power-ups mit einem Pinsel zu färben. Grimm wirkt wie eine Deluxe-Fassung dieses Spiels, nur mit dem Unterschied, dass ich in ein buntes 3D-Areal gesteckt werde und die Gegend verderbe, statt sie anzumalen. Bis auf ein paar versteckte Münzen und der Tatsache, dass die Echtzeitverwüstung der Umgebung wirklich nett anzusehen ist, wird aber kaum Abwechslung geboten. Die Idee, aus einem Märchen eine düstere Horrorvision zu machen, die ich mir nach dem Durchzocken im Dark Theatre anschauen darf, verdient aber prinzipiell schon Anerkennung.

Leider ist die mit unter einer Stunde Spieldauer sehr kurze Episode mit einigen Programmfehlern gesäumt. Level 3 musste ich wegen eines Skriptfehlers, Level 5 wegen eines Absturzes von vorne beginnen. Weil die erste Episode aber unbegrenzt gratis ist, kann ich Jump-and-Run- und Märchenfans den Download dennoch bedenkenlos empfehlen. Bleibt aber zu hoffen, dass künftige Episoden länger als eine Stunde dauern und vor allem mehr spielerische Abwechslung bieten werden. Anhand von A Boy Learns What Fear Is würde ich jedenfalls einen Preis von über 5 US-Dollar als ungerechtfertigt empfinden. Vor allem, wenn künftige Teile eine ähnlich schludrige Qualitätssicherung aufweisen.

Merkt euch also schon mal den 7. August 2008 vor und ladet euch dann rechtzeitig die nächste Episode herunter, bevor sie kostenpflichtig wird. Den Test dazu werdet ihr dann in diesem Special finden.

Zum Gratis-Download

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American McGee's Grimm - Staffel 1
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Daniel Boll

Tags:
Gees

 
Daniel Boll am 23 Sep 2008 @ 21:39
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