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Der Spieletester: Special

  Personal Computer 

Wir Tester sind immer dann besonders gefordert, wenn es darum geht, mittelmässige Spiele interessant zu beschreiben. Allzu gerne möchten wir stets nach allen Seiten ausschlagen, voller Enthusiasmus ein tolles Spiel in den Olymp heben und schlechte Spiele so richtig durch den Kakao ziehen. Vermeintlich objektiv, versteht sich. Aber den Weg durch die Mitte zu finden, das ist nicht wirklich leicht.



Mal ehrlich, wie viele aktuelle Spieletitel sollte ein guter Tester überhaupt kennen oder bereits gezockt haben? Jedes Spiel? Schliesslich vergleichen wir die Spiele untereinander, um auch bloss das stets angestrebte Minimum an subjektiver Befangenheit zu erreichen. Oder sind nur die Spiele mit dem grössten Massen-Hype wichtig, während der unmerkliche Rest eh in den Abgründen schlechter Bewertungen abrutscht? Die Generation von Ex-und-hopp-Gamern ist längst herangereift. Andere Frage: Gibt es ihn überhaupt, "DEN guten Tester?" Oder gibt es überhaupt "DAS gute Spiel?" State-of-the-art ist hier der Schlüsselbegriff, peitscht jedem Anti-Anglisten den Ekel über den Rücken, und doch dient er bei der Wahrheitsfindung zu grossen Teilen als Grundlage für eine vermeintlich objektive Bewertung. Dem Himmel sei Dank, gibt es doch andernorts beinahe halbseitig abgedruckte Tabellen. Der Tester füllt dabei nur noch Lücken auf - recht fix und par Excellence. Praktisch: Unterschieden wird dabei etwa zwischen "passend" oder "unpassend". Um nicht als verblödet routiniert-rudernder Lückenbüsser zu enden, wird jene Tabelle einfach mit einem oberflächlich gehaltenen Text, hübschen Screenshots und Aufmachern druckreif aufbereitet. Denn Fotograf ist er ja irgendwo auch, dieser Springer zwischen den Berufen.

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Wo selbst der Schöpfer einer solchen mathematischen Tabelle kaum noch begreift, wie sein Kind funktioniert, kommt wieder die Maschine ins Spiel. Das Wertungsergebnis spuckt der PC aus, auch in Tests von Konsolenspielen, kommt aber nur selten auf 42. Wir erinnern uns gerne an einige literarische Werke der Vergangenheit zurück, als Spieler noch Tests lesen mussten, um informiert zu sein. Heute schaffen Probier-Versionen (Demos) das Meinungsbild beim Konsumenten. CD-ROMs, umgangssprachlich in besagtem Bereich auch Heft-CDs genannt, geladen mit Demos und ranzigen Vollversionen, feuern unbarmherzig auf die ungebildete und kritiklose Jugend und den immer jünger werdenden Massenmarkt. Das moderne Heft-Cover lässt kaum noch Platz für grosse Worte. Lediglich die CD macht das bescheidene Kunstwerk zu einer runden Sache und hat längst die Quadratur eines anspruchsvollen Magazins verdrängt. Wer kriegt in der Reizüberflutung an Informationen und Software-Nippes überhaupt noch die Luft, beziehungsweise Lust zum Lesen? Wer von einer PISA-Studie hört, und im gleichen Atemzug nur an Italien denkt, ist schon im Vorfeld schief gewickelt. Game Over. Bleibt die Frage offen, wer denn schuld daran ist, dass Spiele immer weniger Innovationen bieten, Hype und grafische Präsentation alles ist und der billig eingekaufte Spieler sprichwörtlich keinen Bock mehr aufs Lesen hat. Kaufen und siegen - reicht doch. Ist das eine Ohr bereits von Klingeltönen betäubt, bleibt immer noch eins für den lautesten Marktschreier mit der grössten Verkaufsbude. Die Zeit für vom Kapital angeheizte Gaukler war nie besser, ihre Nippes loszuwerden. Uns Testern bleibt nichts anderes übrig, als in aller Ehrlichkeit erfrischend subjektiv zu bleiben.

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Admin am 31 Mrz 2005 @ 11:20
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