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Guild Wars 2: Path of Fire: Kolumnen Special - Quo vadis, Guild Wars 2?

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Mit der Erweiterung Path of Fire kam dieses Jahr das zweite Add-on des MMOGs Guild Wars 2 raus und brachte viele tolle Neuerungen. Die Wichtigste unter ihnen dürften wohl die fünf verschiedenen Reittiere sein, welche wie in kaum einem anderen Spiel nahtlos in das Gameplay eingewoben wurden. Doch oh weh! Düstere Wolken brauen sich am Horizont zusammen. Denn das Spiel hat sich das Lootboxen-Virus eingefangen.

Quo vadis, Guild Wars 2?

Guild Wars 2 lebt unter anderem von seiner Vielzahl an kosmetischen Items. Mit einer Auswahl, welche im oberen dreistelligen, mittlerweile vielleicht sogar vierstelligen Bereich anzusiedeln ist, gleicht kaum ein Spielercharakter dem anderen, und jeder kann sich wie eine kleine, einzigartige Schneeflocke fühlen. Somit war es klar, dass auch unsere lieben Reittiere früher oder später ihre ganz eigenen Skins bekommen, ähnlich wie es damals schon mit Gleitschirmen in Heart of Thorns war. Doch während Halloween noch die ersten alternativen Skins in den Ingame-Shop zum direkten Erwerb Einzug erhalten ließ, brachte das Update am 07.11. ein uns nur allzu bekanntes Übel: die Lootboxen.

Guild Wars 2: Path of Fire Bild

Ganze 30 neue Skins auf einmal brachte uns der Patch. Sehr untypisch für ArenaNet, wird der Schwarzlöwenposten doch für gewöhnlich wöchentlich mit einem bis drei neuen Items gefüttert. Doch der Grund dafür wird sehr schnell klar. Die neuen Reittier-Skins sind nämlich (bis auf eine Ausnahme) nicht direkt erwerblich, sondern verstecken sich hinter einer "Reittier-Adoptionslizenz". Hinter diesem unsinnigen Namen verbirgt sich eine klassische Lootbox. Für 400 Edelsteine (umgerechnet 5 €) könnt ihr somit ein zufälliges Kostüm für ein zufälliges Reittier erwerben. Für 3.400 Edelsteine (umgerechnet 42,50 €) erhaltet ihr gleich zehn Skins, und für sage und schreibe 9.600 Edelsteine (umgerechnet 120 €) erwerbt ihr 30 und somit automatisch alle zurzeit verfügbaren Skins.

5 Euro für ein kosmetisches Produkt. Betrachtet man den Rest des Schwarzlöwenpostens und die bisherige Verkaufspolitik bei den Gleitschirmen, so entspricht das eigentlich dem durchschnittlichen Preis. Doch ArenaNet hat sich mit dem Einführen der Lootbox explizit dazu entschieden, seiner Spielerschaft die Wahl des Produkts zu nehmen, und reiht sich damit in die lange Liste von Spielen ein, die darauf setzen, dass ihre Spielerbasis so lange dem Glücksspiel fröhnt, bis sie das heiß begehrte Item erhalten hat. Gerade bei einem Spiel wie Guild Wars 2, welches sich stets dadurch auszeichnete, dass die Spieler genau auf das hinarbeiten konnten, was sie begehren, ist dies besonders tragisch und ernüchternd.

Guild Wars 2: Path of Fire Bild

Dabei sind Lootboxen in Guild Wars absolut nichts Neues. Seit jeher gibt es die Schwarzlöwentruhen, welche nur mit den dazugehörigen Schlüsseln geöffnet werden können. Darin sind meistens nur nutzloser Tand und einige Schnipsel, mit denen man sich, hat man erst mal genug davon gesammelt, einen besonderen Skin kaufen kann. Das System wurde dabei stetig verbessert. Seit einigen Monaten wechselt der Inhalt regelmäßig und kann vorher von den Spielern eingesehen werden. Enthalten sind dabei immer zwei konkrete Waffensets und einige Spezial-Items. Wo liegt also der Unterschied zu den Reittier-Lootboxen? Zuallererst: Guild Wars 2 ermöglicht seit jeher den Spielern, ein paar Schlüssel zu erhalten, ohne dabei echtes Geld in die Hand nehmen zu müssen. Einmal pro Woche kann jeder Spieler mit einem frisch erstellten Charakter die persönliche Geschichte bis Stufe 10 spielen und somit einen kostenlosen Schlüssel erhalten. Mit entsprechenden Level-up-Items (die es ebenfalls zuhauf umsonst gibt) kann dieser Abschnitt innerhalb von 30 Minuten abgeschlossen werden. Der zweite, ebenso wichtige Unterschied ist, dass die Gegenstände in den Schwarzlöwentruhen handelbar sind. Somit ist es jedem Spieler grundsätzlich möglich, sich exakt das Item zu erspielen, welches er begehrt, ohne sich dabei auf sein Glück verlassen zu müssen. Die Preise für einige Skins nehmen dabei zwar horrende Summen an, doch schon allein, dass die realistische Möglichkeit besteht, ist entscheidend.

Beides trifft auf die "Reittier-Adoptionslizenzen" nicht zu. Es gibt keine Möglichkeit, einen dieser Skins zu erhalten, ohne dabei echtes Geld in die Hand zu nehmen und sich auf sein Glück zu verlassen. Für jemanden wie mich, der seit Tag 0 Guild Wars 2 spielt und den Ingame-Shop mit seiner Fairness und Transparenz stets in den höchsten Tönen gelobt hat, ist dies ein herber Schlag. Denn das Spiel verabschiedet sich damit von seiner Vorbildfunktion. Doch gerade in Zeiten, wo so intensiv über dieses Thema diskutiert wird, brauchen wir solche Beispiele, die zeigen, dass Mikrotransaktionen und Lootboxen fair gestaltet werden und eine Bereicherung für Spieler und Entwickler sein können. Ich jedenfalls werde mich nun nach neuen Vorbildern umschauen müssen, und die 4.000 Edelsteine aus der Path of Fire: Ultimate Edition, welche ich mit Freuden gekauft habe, werde ich sicherlich auch woanders investieren, als in das untransparente Reittierheim von Tyria.

Guild Wars 2: Path of Fire
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Jakob Gustavs

 
Jakob Gustavs am 10 Nov 2017 @ 17:38
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