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Hector - Badge of Carnage: Kurztest Special

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Hector ist versaut, gewalttätig und so gar nicht gesetzestreu. Ein typischer Krimineller also? Mitnichten, denn Hector ist ein Cop und bekommt es im heruntergekommenen Städtchen Clappers Wreake mit einem Terroristen und zahlreichen skurrilen Gestalten zu tun.

Episode 1: We Negotiate With Terrorists

In der ersten von insgesamt drei geplanten Episoden hat der unbekannte Bösewicht einige Geisel genommen und sich schwer bewaffnet in einem Wohnhaus verbarrikadiert. Mit einem Scharfschützengewehr knipst er einen polizeilichen Verhandlungsführer nach dem anderen aus, bis der Polizeichef nur noch einen unangenehmen Ausweg sieht: Hector muss her.

In der Rolle des vollschlanken und versoffenen Anarcho-Cops erwachen wir zunächst in einer Gefängniszelle, die Hector gerne zur Ausnüchterung nutzt. Blöderweise hat er sich selbst dort eingesperrt, also suchen wir erst mal eine Ausbruchmöglichkeit. Wir wollen jetzt nicht das komplette Rätsel spoilern, darum nur so viel: Nachdem Hector seine Blase ausgiebig in einer bis oben hin verstopften Toilette erleichterte, fischten wir mithilfe eines gebrauchten Riesenkondoms ein Hilfsmittel aus der Scheisse. Schon früh wird klar, dass Entwickler Strandlooper die Grenzen des guten Geschmacks gerne überschreitet und mit Fäkalhumor begeistern will. Das zieht sich natürlich durchs gesamte, rund dreistündige Abenteuer. Ob paranoide Oma mit Taser, verbitterter Rollstuhlfahrer mit Schrotflinte oder dicke Nutte mit extremem Mauldampf - hier wird vor nichts und niemanden Halt gemacht. Das spiegelt sich auch in der Verwahrlosung der Stadt wider - an jeder zweiten Ecke finden sich Scheisshaufen, kaputte Bierflaschen oder anderer Müll. Wenig amüsiert zeigt sich Hector über die Forderungen des Geiselnehmers. So soll unter anderem der örtliche Pornoladen geschlossen werden. Für den sexsüchtigen Schwerenöter ein Sakrileg.

Die Rätselschwierigkeit bewegt sich auf einem durchschnittlichen Niveau und wird teils nur durch die gewöhnungsbedürftige Bedienung erschwert. So müssen wir oftmals dieselbe Aktion mehrmals oder zu einem bestimmten Zeitpunkt durchführen, um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen. Die gesamte Steuerung wird über die linke Maustaste abgewickelt: Ein Klick lässt Hector Objekte und Personen näher untersuchen, während ein Doppelklick ihn zum Benutzen, Aufheben oder Ansprechen anleitet. Das ist sehr blöd gelöst und führt teils zu ungewollten Aktionen. Will man zwei Gegenstände kombinieren und verklickt sich, kann es passieren, dass Hector einen der Gegenstände stattdessen untersucht und dann einen Monolog von sich gibt.

Überhaupt ist die erste Episode technisch gesehen sehr mängeldurchzogen. Manche Rätsel sind zu früh lösbar. Bei einer Aufgabe fror gar das ganze Spiel ein, als wir eine bestimmte Aktion durchführten. Die englische Sprachausgabe ist nicht lippensynchron - und manche Textzeilen wurden gar nicht erst vertont. In Zwischensequenzen gibt es keine Untertitel, was angesichts des tiefbritischen Strassenslangs der Charaktere selbst für Englischkenner problematisch sein dürfte. Richtig nervtötend sind aber die Laufwege: Einmal befohlene Aktionen sind nicht abbrechbar, und Schauplätze können auf Wunsch nicht per Doppelklick auf den Ausgang unverzüglich verlassen werden. Reisekomfort bietet lediglich eine Vollbildkarte, mit der wir schnell zu bestimmten Orten gelangen können. Nicht mal eine richtige Speicherfunktion wurde integriert, stattdessen wird ohne Hinweis beim Betreten eines Ortes gespeichert - immerhin!

Grafisch macht die erste Episode keine gute Figur. Es gibt Freeware-Adventures, die hübscher aussehen. Leider sind die Schauplätze sehr statisch. Wir waren froh, wenn wir mal einen animierten Helikopter am Himmel schweben sahen. Diverse Grafikfehler und das unhandliche Vollbild-Dialogsystem tragen ihr Übriges zum bestenfalls zweckmässigen optischen Eindruck bei.

Hector - Badge of Carnage Bild
Fazit von Daniel Boll
Keine Frage, Hector ist eine coole Sau und sorgte mit seinen frechen Sprüchen für mehr als einen Lacher. Mit gebrauchten Kondomen in Scheisse herumwühlen oder einen komatösen Heroinjunkie als Sexpuppe einlösen - ja, hier wird mein Fäkalhumor voll angesprochen. Die technischen Mängel durchziehen das Spiel aber wie Metastasen und können den Spassfaktor stellenweise doch beträchtlich in den Keller drücken. Darum gibt es an dieser Stelle auch keine unbedingte Kaufempfehlung von mir, sondern eine unter Vorbehalt. Die nächsten Episoden entstehen auf Basis der aktuellen Telltale Games-Technologie und dürften dem Debüt in technischer Hinsicht deutlich überlegen sein.

Fazit von Marco Peters
Fett, gewalttätig, beleidigend, alkoholabhängig - das ist Hector! Episode 1 ist ein herrlich abgedrehtes Adventure für erwachsene Zocker mit schwarzem Humor. Die Rätsel sind teils abstrakt, jedoch stets nachvollziehbar und verständlich. Grosse Kopfnüsse erwarten euch insofern also nicht, aber man sollte hier und da schon ein wenig um die Ecke denken können und auch abstruse Möglichkeiten in Betracht ziehen. Technisch sollte man jedoch keine grossen Ansprüche an den Titel stellen, die PC-Umsetzung orientiert sich 1:1 an der der iPad-Version. Hier hätte man durchaus mehr erwarten können. Wenn man den Titel mit den anderen Adventures aus dem Hause Telltale Games vergleicht, so ist er leider nur eine simple Portierung. Auch die Sprachausgabe wirkt sehr dumpf und flach, die iPad-Herkunft lässt sich an dieser Stelle nicht verheimlichen. Nichtsdestoweniger ist Episode 1 ein klasse Adventure, welches man in so einer abgedrehten Form bisher noch nicht erlebt hat. Englischkenntnisse werden aber zwingend vorausgesetzt!

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Daniel Boll

 
Daniel Boll am 21 Feb 2012 @ 00:43
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