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Tales of Monkey Island: Special

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Telltale Games hat es geschafft, nach langjährigen Verhandlungen mit LucasArts an die staubige Monkey Island-Lizenz zu gelangen, die zuletzt im Jahr 2000 für einen vierten Teil verwendet wurde. Tales of Monkey Island heisst das neue Werk, das in fünf Adventure-Episoden erzählt werden wird. Wir haben unsere Monkey Island-Experten in die virtuelle Karibik entsendet und verraten euch, ob Guybrush Threepwoods Reinkarnation ein Fluch oder Segen geworden ist.

Launch of the Screaming Narwhal

Da ist er wieder, Guybrush Threepwood, Möchtegernpirat und Gemahl der attraktiven Ex-Gouverneurin Elaine Marley. Das Paar steckt mal wieder bis zum Hals in der Tinte, hat sich doch der gefürchtete Geisterkapitän LeChuck zurückgemeldet, um endlich seine Heirat mit Elaine durchzuringen und die Karibik mit seinen Gespensterpiraten unsicher zu machen. Zu diesem Zweck hat er nicht nur Elaine in seine Gewalt gebracht, sondern experimentiert auch mit einem starken Voodoozauber herum, der ihm extreme Macht verleihen soll. Wir steigen mitten in einen finalen Kampf auf hoher See ins Spiel ein. Guybrush fehlt nur noch eine Zutat, um eine magische Hiebwaffe fertigzustellen, mit der er den langbärtigen Untoten endgültig ins Jenseits befördern könnte. Nun, bei der Zutat muss der Held letztlich ein wenig improvisieren, was die ganze Situation noch auswegloser macht, als sie sowieso schon war. Kurzform: LeChuck wird zum Menschen – und eine gigantische Explosion schleudert Guybrush auf eine verfluchte Insel. Der Beginn eines turbulenten Abenteuers.

Flotsam Island heisst das Eiland, das Guybrush in dieser ersten Episode alle Steine in den Weg legt, die eine Rückkehr zu seiner geliebten Elaine verhindern. Ein unnatürlich starker Wind pustet immer in dieselbe Richtung und liess über die Zeit einige Seemänner stranden. Ein Verlassen des Ortes ist wegen gefährlicher, messerscharfer Riffe nicht mehr möglich. Auf diese Weise hat sich ein kleines Städtchen gebildet, das von teils skurrilen Personen bewohnt wird. Allen voran ein verrückter Wissenschaftler namens Marquis de Singe, der eine Vorliebe für Guybrushs linke Zombiehand hat und sie unbedingt für Forschungszwecke amputieren möchte. Zombiehand? Ach so, erwähnten wir das noch gar nicht? Ja, durch das missglückte Attentat auf LeChuck ist ein Teil des Untotenkapitäns auf Guybrush übergegangen, was dazu führt, dass die Hand jetzt ein Eigenleben hat und für allerhand witzige, geradezu slapstickartige Momente sorgt. Davon abgesehen gibt es auch ein Wiedersehen mit alten Bekannten der Adventure-Reihe, darunter die Voodoo Lady.

Monkey Island-Kenner dürfen sich natürlich auf ein wahres Feuerwerk an Insidergags freuen, aber auch Neueinsteiger werden sich aufgrund der hohen Jokedichte nicht langweilen. Man merkt sowieso in jeder Spielsekunde, dass hier ein Haufen ehemaliger Lucas Arts-Designer mitgewerkelt hat. So zeichnet etwa Escape from Monkey Island- und Sam & Max: Hit the Road-Schöpfer Mike Stemmle für diese erste Episode verantwortlich. Geteilter Meinung kann man hinsichtlich der Steuerung sein, die sich nun an Wallace & Gromit's Grand Adventures orientiert. Mit den Pfeiltasten kann Guybrush durch die Gegend manövriert werden, was nicht immer ganz präzise funktioniert, während die Maus ganz klassisch für Umgebungsinteraktionen zum Einsatz kommt.

Telltale Games erlaubt erstmals das Kombinieren von Gegenständen im Inventar, was allerdings ein wenig umständlich vonstatten geht. So müssen die Wunschobjekte jeweils in einem Slot platziert und dann über einen Knopf kombiniert werden. Eine simple Drag-and-Drop-Methode hätte es hier doch auch getan. Ähnlich sieht es mit dem Anschauen von Inventarkrempel aus, wofür man stets erst mal ein Lupensymbol aktivieren muss. Wieso bleibt die rechte Maustaste hier gänzlich ungenutzt? Die Antwort kennen wohl nur die Entwickler selbst. Nichtsdestoweniger ist die Bedienung insgesamt gesehen weit weg von einem Albtraum, man kann sich also relativ zügig damit zurechtfinden.

Das Rätseldesign ist Telltale-typisch eher auf Massentauglichkeit getrimmt, doch weiss die erste Episode mit einigen wirklich sehr originellen Puzzles zu überzeugen. An dieser Stelle sei etwa die unheimlich witzige Flucht aus einem Labor mit Hilfe eines Laboraffens mit Stromschlagfetisch oder das Kapern des namensgebenden Schiffes Screaming Narwhal genannt. Letzteres wird von einem dicken schwarzen Kapitän besetzt, der das Betreten seines Heiligtums mit einigen Fallen erschwert, in die Guybrush nur allzu gerne tappt. Neben klassischen Kombinationsrätseln gibt es auch solche, die mit einem Zeitlimit versehen sind oder bei denen man sich auf sein Gehör verlassen muss. Grossartig! Und wer mal gar nicht weiter weiss, kann wie gewohnt auf ein mehrstufiges Hinweissystem zurückgreifen.

Fazit von Daniel Boll
Ich bin seit Anfang der 1990er-Jahre ein Monkey Island-Fan und war extrem skeptisch, ob Telltale Games an die Genialität der Vorgänger anknüpfen können würde. Erste Bilder mit dem neuen 3D-Guybrush haben mich eher abgeschreckt, doch sieht das Ganze in Bewegung überraschend sympathisch aus. Der moderne Comiclook sowie nicht zuletzt die witzigen Animationen vermitteln den alten Monkey Island-Charme und werden von einer sehr gelungenen englischen Sprachausgabe unterstützt. Schön auch, dass der altbekannte Soundtrack in aufgepeppter Form enthalten ist. Überhaupt steht die erste Episode von Tales of Monkey Island - kurz ToMI - ihren grossen Vorbildern in nichts nach, denn selbst hinsichtlich der Rätselvielfalt und Gagdichte wird ein hohes Niveau geboten.

Lediglich die Steuerung könnte etwas simpler von der Hand gehen, weil doch andere Genrevertreter längst erfolgreich ein Maus-only-Konzept etabliert haben. Auch ist es etwas schade, dass die Dialoge zwar vielfältige und lustige Auswahlmöglichkeiten bieten, diese jedoch letztlich von Guybrush kaum umgesetzt werden, es meist also auf eine einzige Standardphrase hinausläuft. Das nimmt den Gesprächen stellenweise ein wenig Charme und Kurzweil. In dieser Hinsicht besteht also noch Besserungsbedarf.

Unterm Strich macht die mit über vier Stunden Spieldauer erstaunlich lange Episode aber extremen Appetit auf mehr, weshalb ich mein Fazit mal mit einem abgewandelten und wie die Faust aufs Auge passenden Werbespruch abschliesse. ToMI, hier kommt der Genuss!

Fazit von Patrik Nordsiek
Endlich wieder Monkey Island! Endlich wieder Guybrush Threepwood! Zugegeben, die Erwartungen an das neue Abenteuer des piratösen Antihelden waren enorm hoch und eigentlich nicht zu erfüllen. Dennoch hat Telltale die erste Episode der neuen Geschichte exzellent hinbekommen. Die Story nimmt zu den richtigen Stellen Fahrt auf, die Rätsel sind knackig und vor allem logisch. Auch Kreuzreferenzen zu den Vorgängern oder zu anderen Klassikern von Lucas Arts – allen voran Indiana Jones – lassen ToMI wie einen offiziellen fünften Teil wirken. Da sehe ich auch gerne mal über die etwas verhunzte Steuerung hinweg, die weder Fisch noch Fleisch sein will.

Abschliessend will ich eine Lanze für die grafische Präsentation brechen. Diese ist trotz veralteter Technik nämlich dennoch sehr gut, denn die Grafik per se soll die Geschichte und das Spielprinzip unterstützen. Und mit ihrer Detailverliebtheit und den lustigen Animationen passt die Visualisierung perfekt zum humorvollen Setting. Da machen die paar fehlenden Polygone und Effekte im Vergleich zu einem Crysis auch nichts mehr aus. Ich freue mich auf jeden Fall auf die kommenden Episoden, insbesondere weil Telltale so einen fiesen Cliffhanger ans Ende gepackt hat!

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Daniel Boll


 
Daniel Boll am 19 Dez 2009 @ 05:43
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