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The Raven - Vermächtnis eines Meisterdiebs: Special

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Von Entwickler Telltale Games wurde in den letzten Jahren die Idee, Point-and-Click-Adventures der Spannung wegen erst nach und nach in mehreren Episoden zu veröffentlichen, zur Perfektion gebracht. Und der extreme Erfolg von The Walking Dead oder Zurück in die Zukunft gibt der Spieleschmiede durchaus Recht. Auch KING Art, der Schöpfer von The Book of Unwritten Tales und den Vieh Chroniken, springt mit dem neuesten Werk The Raven: Vermächtnis eines Meisterdiebs auf den Episodenzug auf. Wir haben uns in die Rolle des Schweizer Wachtmeisters Zellner versetzt und uns auf direktem Weg zum Tatort begeben. Kann The Raven an alte Erfolge der Spieleschmiede anknüpfen?

Teil 1: Das Auge der Sphinx

The Raven: Vermächtnis eines Meisterdiebs versetzt euch in die Rolle eines für Adventures eher untypischen Charakters. Wachtmeister Anton Jakob Zellner, ein gewissenhafter Angestellter der Schweizer Polizei, ist weder der smarte, dynamische und junge Detektiv, den man vermuten könnte, noch ein ausgesprochener Schönling. Vielmehr schlüpft ihr in die Figur eines älteren, erfahreneren Polizisten mit leichtem Bauchansatz und dem Hang zu bunten Poloshirts, der aus purer Freunde an seiner Arbeit das Auge der Sphinx im Orient-Express zusammen mit seinen englischen Kollegen bewacht. Auf dieses Kleinod hat es nämlich der äusserst gerissene Dieb namens Der Rabe, die vermeintliche Reinkarnation eines vor fünf Jahren getöteten Kunsträubers, abgesehen.

Doch handelt es sich bei dem Juwelendieb tatsächlich um die sagenumwobene Gestalt des ehemaligen Räubers? Während insbesondere Inspektor Legrand, der den Raben einige Jahre zuvor getötet haben will, von der Theorie des zurückgekehrten Rabens überzeugt ist, vertraut ihr als pragmatischer Gesetzeshüter lieber eurer eigenen Intuition und stellt - sehr zum Ärgernis des britischen Scotland Yard - auf eigene Faust Ermittlungen an, die euch mit auf eine Reise durch mehrere Länder nimmt. Die erste Episode von The Raven namens Das Auge der Sphinx beginnt mit einer hübschen Landpartie im altehrwürdigen Orient-Express, in welchem das bereits erwähnte Auge sicher nach Venedig transportiert werden soll. Von der Stadt an der Adria geht die Reise per Schiff nach Kairo, um den Stein im dortigen Museum für Ägyptologie auszustellen. Der ursprüngliche Plan, die beiden Augen der Sphinx seit Jahrzehnten wieder gleichzeitig auszustellen, wurde nämlich bereits jüngst von dem neuen Raben vereitelt, der schon in England ein Auge in seinen Besitz bringen konnte.

The Raven gibt sich als ein Point-and-Click-Adventure der traditionellen Schule. Schnell ist die aus wenigen Befehlen bestehende Steuerung beherrscht, sodass ihr euch direkt ans Werk machen könnt. Dabei gibt es auch allerhand zu tun, denn eine Vielzahl an Rätseln will gelöst werden. Trotzdem hat man bei KING Art stets ein Auge darauf geworfen, die Rätsel möglichst realistisch zu gestalten, sodass man nicht um zehn Ecken denken muss, um die Lösung zu erraten. Als Beispiel müsst ihr in einer Szene einen Waggon vom Rest des Zuges abkoppeln. Allerdings ist es zu dunkel, um den Mechanismus zum Lösen der Kupplung zu finden, sodass ihr euch kurzerhand aus etwas Strohrum, einem Vorhang, einem Stuhlbein und aus etwas Öl eine improvisierte Fackel zusammenbaut. Abgedrehte Gegenstandskombinationen findet man zum Glück auch im Rest der Episode nicht. Einige wenige, sehr einfache Minispiele wie etwa das Knacken eines Schlosses mittels eines Drahtes sollen das Spielgeschehen zusätzlich auflockern.



Ein weiteres wichtiges Element eurer Ermittlungen sind die Zeugenbefragungen. Zwar hat jeder Charakter im Spiel viel Interessantes zu erzählen - ihr solltet eine Person auch ruhig mehrmals ansprechen -, jedoch spielt es kaum eine Rolle, was ihr wie jemanden fragt. So könnt ihr euch in Seelenruhe durch die verschiedenen Fragen und Antworten klicken und euch die Sorgen, Nöte und Ängste der Passagiere anhören. Zwar verraten sie manches Mal auch Hinweise, wie man weiter vorgehen sollte, jedoch sind die Selbstgespräche Zellners à la "Ich glaube, ich muss jetzt erst einmal dieses und jenes machen" wesentlich nützlicher. Wichtige Hinweise landen zudem automatisch in eurem Tagebuch, wo ihr nochmals alles Wissenswerte nachlesen könnt. Ausserdem könnt ihr eine Hotspot-Anzeige oder weitere Lösungshilfen gegen den Eintausch von Adventure-Punkten, die ihr grosszügig für das erfolgreiche Lösen von Rätseln erhaltet, hinzuschalten. Alles in allem bleibt die Spieleschmiede mit dem Raben jedoch ziemlich bodenständig, sodass selbst Anfänger und Gelegenheitszocker kaum Probleme mit dem Schwierigkeitsgrad bekommen dürften.

Gemütliche 1960er-Jahre-Optik

Als technisches Grundgerüst dient die Unity-3D-Engine, die die Welt der 1960er-Jahre hübsch in Szene setzt. Die Schauplätze, wenngleich sich die erste Episode lediglich im Orient-Express sowie auf einem Schiff abspielt, sind abwechslungsreich und recht detailliert. Zudem trefft ihr auf eine Handvoll unterschiedlicher Charaktere, die in zahlreichen Nahaufnahmen ebenfalls zu überzeugen wissen. Trotzdem wirkt die Umgebung, auch wenn man dieses Problem geschickt mit einer vorbeirauschenden Landschaft im Zug und Meereswellen im Hintergrund des Schiffes kaschieren will, recht statisch, denn im eigentlichen Vordergrund bewegt sich, bis auf ganz wenige Ausnahmen wie etwa ein Ventilator, so gut wie nichts. Ausserdem könnt ihr hin und wieder einen unschönen Blick auf die Kollisionsabfrage werfen, wenn sich der gute alte Zellner zunächst einmal richtig positionieren muss, wenn er etwa eine Treppe hinaufgehen will. Hier fehlt einfach eine Prise Feinabstimmung. Zudem fielen während des Tests einige Abstürze des Spiels negativ auf.

Bei einem Adventure steht und fällt die Atmosphäre mit der Sprecherriege, die im Falle von The Raven weitestgehend ordentlich ausfällt. Zwar muss man sich zunächst an die etwas dünne Stimme von Zellner gewöhnen, jedoch leisten auch die anderen Sprecher gute Arbeit ab. Die klassische Hintergrundmusik ist bisweilen angenehm anzuhören, trotzdem schaltet man sie nach einigen Minuten ab, da sie sich zu schnell wiederholt. Die Titelmelodie hingegen besitzt das gewisse Etwas und bleibt durchaus als Ohrwurm einige Stunden im Gedächtnis hängen.

Fazit von Alexander Boedeker

The Raven bietet eine spannende Rahmengeschichte, einen gemütlichen Wachtmeister, der ein wenig an Inspektor Columbo erinnert, sowie realistische Rätsel, die euch nicht zu akrobatischen Gehirnleistungen zwingen. Dafür habt ihr das erste von insgesamt drei Abenteuern auch relativ schnell durchgespielt. In gemütlichen drei bis vier Stunden, die meiste Zeit geht für das Anhören der Dialoge drauf, könnt ihr locker alle Rätsel lösen, ohne auch nur einmal die Hilfen in Anspruch genommen zu haben. Insgesamt bleibt also ein ordentlicher Eindruck der ersten Episode, welche natürlich mit einem fiesen Cliffhanger endet, zurück. Für die kommenden beiden Episoden, in welchen ihr auch einmal in die Rolle des Diebes schlüpfen könnt, ist aber in vielerlei Hinsicht - insbesondere für den Schwierigkeitsgrad sowie für die Technik - noch einiges an Luft nach oben.

The Raven - Vermächtnis eines Meisterdiebs
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Alexander Boedeker

 
Alexander Boedeker am 08 Okt 2013 @ 16:35
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