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GBase: Wer hat an der Uhr gedreht? Special Kolumne

  Personal Computer 

Kennt ihr das auch? Da will man abends mal eben schnell ein paar Level des frisch erworbenen Spiels absolvieren und - schwupps - beim nächsten Blick auf die Uhr stellt man erschreckt fest, dass es längst an der Zeit ist ins Bett zu gehen, um am anderen Morgen nicht wieder unausgeschlafen zur Schule, Uni oder zur Arbeitsstelle zu kommen. Selbst wenn man sich strikt vornimmt nur eine halbe Stunde zu spielen und dann Hausarbeit zu erledigen oder Sport zu treiben, kann dies passieren. Ein Zeichen für mangelnde Zeitplanung? Oder ist es nicht eher so, dass uns das momentan installierte Spiel derart in den Bann gezogen hat, dass wir alles um uns herum vergessen haben?

Ein Spiel welches uns derart zu beschäftigen weiss und regelrecht Kontrolle über unser Zeitgefühl erlangt, kann kein schlechtes Machwerk sein. Auch in meinem Testeralltag ist dies häufig geschehen. Wenngleich wir als Produkttester viele gute Software-Edelstücke auf unseren Festplatten und Konsolen begrüssen durften, gibt es dennoch regelmässig diesen hoch gerühmten "nur noch diesen Level" Effekt. Das muss nicht unbedingt eine Umgebung, ein Szenario oder eine neue Mission sein. Genauso gut können es mehrere Sportspiele in einer längeren Saison sein, die unsere Zeit auffressen. Ganz extreme Vertreter diese Zunft sind die MMORPGs, welche seit ein paar Jahren auch in den Medien immer mehr Beachtung finden. Da ist sogar die Rede von einer Spielsucht, von sozialen Problemfällen in unserer Gesellschaft, von der Vereinsamung der Jugendlichen in dunklen Kämmerlein. Ganz ehrlich, ob ich vier oder fünf Stunden Monopoly mit drei Freunden an einem Tisch spiele oder mich mit den gleichen Jungs in einem Online-Rollenspiel treffe: Wo ist da der grosse Unterschied? Und im Zeitalter von Voice-Chats kann ich mich beim Spielen sogar mit ihnen unterhalten.

Doch was ist es, was uns da so in den Sog der ablaufenden Zeit hineinzieht? Warum spielen wir derart lang und exzessiv ein Videospiel? Die Antwort auf diese Frage fällt gar nicht leicht, denn wir alle haben gänzlich unterschiedliche Ansprüche an ein Spiel. Sei es die Abenteuerlust, unerfüllte Träume, sportlicher Wettkampf, Wissensdurst, die Möglichkeit in andere Rollen zu schlüpfen oder schlichtweg die einfache Zerstreuung. Doch hin und wieder kommt es auch tatsächlich vor, dass das Spielen "ungesund" wird. Ich selbst hatte auch mal eine kleine Krise mit dem Medium Computerspiel. Vor rund fünf Jahren war ich Counterstrike-Spieler. Ständig hatte ich den Teamchat laufen, auf den Ohren die Clankollegen.

Meiner Frau ging das tierisch auf die Nerven, denn entweder war ich direkt mit dem Spiel beschäftigt und hatte keine Zeit für sie oder ich unterhielt mich mit der Truppe. Irgendwann begriff ich endlich, dass die virtuelle Welt da in dem Monitor absolut unwichtig ist und dass es lebendige Menschen ausserhalb der Pixel und Polygone gibt, für die meine Präsenz von enormer Bedeutung sind. Als ich unlängst von kaputtgegangenen Beziehungen in der Zeitung las, weil World of Warcraft-Spieler sich nicht mehr aus ihrer virtuellen Welt lösen konnten, erinnerte ich mich an meine CS-Zeit. Was wäre wohl passiert, wenn ich noch ein paar Monate länger im Clan geblieben wäre und meine Spielgewohnheiten nicht verändert hätte?

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Markus Grunow

 
Markus Grunow am 17 Mrz 2006 @ 21:14
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