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Sniper - Ghost Warrior 3: Review

  Playstation 4 

Im hohen Gras liegt ein schmächtiger Junge und schießt mit seinem Gewehr auf Flaschen. Einfach so. Er liegt da und schießt. Zumindest ... will er das. Denn ehe er den ersten Schuss lösen kann, kommt sein nur etwas älterer Bruder durch die Botanik geprescht und drückt ihm aufs Auge, dass es sein letzter Tag in der US-amerikanischen Heimat sei. Der Krieg ruft, und die beiden Brüder tun das, was man am letzten Tag vor dem Abmarsch nach Afghanistan so macht: reden. Frauen, Behauptung im Faustkampf, Nervosität vorm Einsatz – könnte nicht idyllischer sein zwischen den beiden. Der kleinere wird vom älteren Bruder in Tarnfleck inspiriert, schaut zu ihm auf.

Ein Held wie aus einer Blaupause

Folgerichtig wird aus dem Knirps Jonathan North ein vor Testosteron strotzender Kampfkoloss, der für die US of A in den Krieg zieht. Fetzt ja auch, zumal es ihn in der ersten Mission des Spiels nicht irgendwohin verschlägt, sondern an die russisch-georgische Grenze. Heikel, denn hier treffen Ost und West aufeinander und droht das gegenwärtige Pulverfass der Weltpolitik zu explodieren.

Einen Preis für besonders innovatives Storytelling oder erstaunliche Charaktertiefe wird Sniper: Ghost Warrior 3 wohl eher nicht gewinnen. Das bisschen Geschichte und Charakterentwicklung dient lediglich dazu, den Rahmen für die durchweg dünne Handlung zu zimmern und dem Spieler überhaupt irgendein Motiv an die Hand zu geben, weshalb er sich durch Gestrüpp, enge Dörfer und über verschneite Bergkämme ballern soll. So peinlich wie anno dazumal in Shellshock 2 wird es zwar nicht, die Autoren geben sich aber Mühe, militärische Stereotypen und mit tiefen Ausschnitten ausstaffierte Frauen so in Szene zu setzen, dass Erinnerungen an B-Movies der 1980er-Jahre präsent bleiben. Neben der durchgängig hölzernen Inszenierung mit Mimik und Gestik auf PlayStation-2-Niveau lassen die deutschen Synchronsprecher keinen Zweifel daran, dass große Teile des Budgets eben nicht in die Präsentation geflossen sind. Um es kurz zu machen: Die Story gehört mit all ihren Elementen in die Tonne.

Was willst du eigentlich sein?

Das eigentliche Spiel ist zwar besser, aber nicht wesentlich. Der Vergleich zum sehr guten Sniper Elite 4 muss zwangsläufig hergestellt werden, bedienen beide Titel doch eine ähnliche Klientel. Während Rebellion sich auf recht offene Levels mit cleveren Laufwegen verlässt, wollen es die Macher von CI Games darauf anlegen, eine gänzlich offene Welt als Spielumgebung darzureichen. Danke, aber darauf hätten wir verzichten können. Weitläufig ist Georgien, aber leider auch so gut wie ausgestorben.

Nicht perfekt auf einem anderen Niveau konnte Ghost Recon Wildlands vor einigen Monaten zeigen, wie der Open-World-Ansatz in Military-Shootern aussehen kann, ohne gänzlich zu langweilen. In Sniper: Ghost Warrior 3 kurvt ihr im Auto über vereiste Straßen in euer Versteck, wo ihr Aufträge annehmt sowie Ausrüstung auswählt und modifiziert. Seid ihr auf dem Weg zur Mission, lauft oder fahrt ihr zum entsprechenden Punkt oder lasst euch dorthin teleportieren, wozu ihr aber mindestens einmal vor Ort gewesen sein müsst. Weitere Erkundungsreize setzt der Titel kaum, hin und wieder stolpert ihr über Materialien zum Waffen-Crafting oder hebt alte Scharfschützengewehre, die eurem Waffenschrank hinzugefügt werden. Überraschungen aber? Die bleiben aus. Da hilft es wenig, dass ihr für jede Aktion Erfahrungspunkte sammelt, die ihr in eure Skills investiert. Ein guter Ansatz, der nicht durchdacht scheint, denn die verschiedenen Fähigkeiten liegen zu eng beieinander, als dass ihr euch spezialisieren könntet.

Sniper - Ghost Warrior 3
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Daniel Wendorf

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Daniel Wendorf am 12 Jun 2017 @ 16:56
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