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Vampyr: Review

  Playstation 4 

Mit Vampyr gehen die Macher des Erfolgstitels Life is Strange neue Wege. Ob uns das düstere Rollenspiel, das im London des Jahres 1918 angesiedelt ist, gefallen hat, zeigen wir euch in unserem Test.

Zurück von den Toten

Nach der kurzen Introsequenz des Spiels, die allerdings mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet, erwachen wir auf einem verlassenen Friedhof und befinden uns inmitten von Leichen und Skeletten. Wankenden Schrittes bewegen wir uns anschließend durch die wenig einladende, von Nebel umhüllte Umgebung, um herauszufinden, was mit uns geschehen ist. In den ersten Spielminuten setzt der Titel auf einen äußerst stimmungsvollen Effekt, der uns an die Comicverfilmung Sin City erinnert – so ist die Spielwelt in Grautöne getaucht, die sichtbaren Blutspuren erstrahlen dagegen in einem leuchtenden Rot und verleihen dem Spiel von Beginn an eine eigenartig unwirkliche Stimmung. Auch nehmen wir Menschen in unserer Umgebung an dieser Stelle nicht wirklich als Personen wahr, sondern erkennen lediglich eine dunkle Silhouette, die von strahlend roten, mit Blut gefüllten Adern durchzogen ist. Diese Ansicht kann von uns auch im späteren Verlauf bei Bedarf genutzt werden und ist zum Beispiel beim Verfolgen von Blutspuren äußerst nützlich.

Es kommt, wie es kommen muss, denn kurz darauf stecken die Zähne unseres Protagonisten Jonathan im Hals einer jungen Frau, die sich eigentlich nur darüber gefreut hat, dass er von den Toten zurückgekehrt ist. Das Trinken des Blutes sorgt dafür, dass die Lebensgeister in Jonathans Körper zurückkehren, wodurch die Welt um ihn herum wieder an Farbe gewinnt. Dadurch erkennt er auch das Ausmaß seiner Tat, denn bei der Frau, deren Blut er gerade gekostet hat, handelt es sich um seine Schwester Mary, die nun leblos zu seinen Füßen liegt. Zu allem Übel wurde der Mord an seiner Schwester von den Wachen in der Nähe bemerkt, wodurch Jonathan gezwungen ist, die Flucht zu ergreifen. Völlig unbewaffnet bleibt ihm nichts anderes übrig, als vor seinen Verfolgern, die mit Schusswaffen auf ihn zielen, zu flüchten und in den dunklen Straßen der Stadt Schutz zu suchen.

Kämpfe mit interessanten Optionen

Glücklicherweise finden wir wenig später eine erste Waffe, eine rostige Machete, sodass wir uns die schusswütigen Wachen vom Leib halten können. Das Nahkampfsystem von Vampyr ist insgesamt sehr schlicht gehalten. So greifen wir unsere Feinde, die wir aus Übersichtsgründen praktischerweise anvisieren und markieren können, durch mehrfaches Drücken einer einzelnen Taste an. Wir können darüber hinaus eine Ausweichbewegung durchführen, um uns vor gegnerischen Schüssen und Schlägen zu schützen. Bekommen wir es mit mehreren Feinden zu tun, lässt sich der anvisierte Gegner intuitiv wechseln, sodass wir selbst bestimmen können, in welcher Reihenfolge wir vorgehen. Zudem steht uns später eine Nebenwaffe zur Verfügung, die zusätzlich zur Hauptwaffe getragen werden kann und eine weitere Angriffsoption bietet. Sie kann verwendet werden, um Feinde zu schocken, wodurch sie für kurze Zeit wehrlos sind. Dies macht es wiederum möglich, uns auf sie zu stürzen und ihr Blut zu trinken, mit dessen Hilfe sich nun auch unsere speziellen Vampirfähigkeiten nutzen lassen, auf die wir später noch einmal genauer eingehen werden.

Je öfter man das Blut seiner Gegner trinkt, desto häufiger können die mächtigen Attacken des Vampirs eingesetzt werden. Allerdings führt nicht jeder Angriff mit der Nebenwaffe automatisch zum Schock, wodurch es immer ein gewisses Risiko ist, auf diese Weise vorzugehen. Auch wenn das Prinzip der Kämpfe an sich interessant ist, sorgen die etwas steifen Bewegungen der Figuren sowie die doch recht repetitive Vorgehensweise für ein wenig Ernüchterung. Dies ist gerade bei den Bosskämpfen der Fall, bei denen man über einen relativ langen Zeitraum konzentriert bleiben muss, um bei den mehr oder weniger immer gleichen Abläufen keinen Fehler zu machen. Insgesamt erinnert das Kampfsystem eher an Hack-and-Slay-Titel wie Devil May Cry als an vergleichbare Rollenspiele, was aber nicht als Minuspunkt zu verstehen ist. An dieser Stelle sollte allerdings definitiv die etwas chaotische Kameraführung erwähnt werden, die den einen oder anderen Kampf unübersichtlicher macht, als er es sein müsste.

Quälende Erinnerungen

Da die aufgehende Sonne üblicherweise nicht der beste Freund von Vampiren ist, muss sich Jonathan schnellstmöglich einen Unterschlupf suchen, um nicht von ihr verbrannt zu werden. Dort angekommen, entdeckt er nach und nach einige Hinweise, die ihn an das erinnern, was vor seinem Tod passierte. So hatten die Menschen offenbar mit einer heftigen Grippewelle zu kämpfen, die Unzählige dahinraffte, was wiederum die Ansammlung von Leichen erklärt, die Jonathan bei seinem Erwachen erblickte. Ein alter Revolver ruft zudem Erinnerungen an die blutigen Kämpfe des Ersten Weltkriegs hervor, in die auch unser Protagonist verwickelt war. Darüber hinaus verdichten sich sukzessive die Hinweise auf einen Mörder, der in London sein Unwesen treibt und eine beachtliche Anzahl an Opfern anhäufte. Wie diese Geschehnisse mit Jonathans Tod zusammenhängen und was der Grund für seine Rückkehr von den Toten ist, erfahren wir im Verlauf der wirklich gut inszenierten, interessanten Geschichte. Dabei sind es vor allem Jonathans Verzweiflung und seine innere Zerrissenheit zwischen dem, der er einst war, und der Kreatur, die er geworden ist, die für eine stetige Spannung sorgen. Da Vampyr auf eine manuelle Speicherfunktion verzichtet, sind all unsere Entscheidungen endgültig, so wie wir es schon aus Life is Strange kennen. So kann es vorkommen, dass bestimmte Nebenmissionen, die von den zahlreichen Nicht-Spieler-Charakteren bereitgehalten werden, aufgrund einer bestimmten Entscheidung nicht mehr verfügbar sind. Weiterhin stehen wir immer wieder vor der Wahl, ob wir Zivilisten, denen wir begegnen, als Quelle für Erfahrungspunkte nutzen wollen, indem wir sie aussaugen. Auf diese Weise lässt sich die eigene Charakterentwicklung zwar beschleunigen, das moralisch verwerfliche Verhalten hat aber auch negative Auswirkungen, und zwar unter Umständen auf die Stabilität ganzer Stadtviertel.

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Daniel Walter

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Daniel Walter am 11 Jun 2018 @ 11:59
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