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Final Fantasy XV: Review

  Playstation 4 

Zweischneidiges Schwert

Abseits der Erforschung der wunderbaren und detailverliebten Spielwelt ist natürlich das Kampfsystem eine der wohl wichtigsten Spielkomponenten. Auch dieses hat eine komplette Rundumerneuerung spendiert bekommen, bricht mit dem traditionellen ATB-System und findet stattdessen komplett in Echtzeit statt – und macht trotz kleiner Schwächen, und erst recht, wenn man die Mechaniken einmal intus hat, viel Spaß. So wechselt das Kampfgeschehen nun nicht mehr in eine extra Arena, sondern Gefechte werden direkt nach Gegnerkontakt auf der Oberfläche ausgetragen. Vor allem bei hohem Gegneraufkommen wirkt die Auseinandersetzung auf den ersten Blick total chaotisch, doch glücklicherweise überrascht das System mit einigen taktischen Finessen.

Noctis besitzt die Fähigkeit, seine Waffen zu beschwören und sich via Warp rasend schnell fortzubewegen. Mit bis zu vier ausgerüsteten Waffen (wahlweise auch Magie), die auf Knopfdruck gewechselt werden können, seiner Warp-Fähigkeit und der Möglichkeit, seinen Kampfgenossen Teambefehle zu geben, entwickelt sich während der Gefechte selbst bei Standardgegnern eine angenehme Dynamik. Wer klug zwischen seinen ausgerüsteten Waffen wechselt und dann auch noch gut die Momente für Blocks und Paraden abpasst, kann mit seinen Teamkameraden wunderbare Kombos und locker-flockige Angriffsketten entfesseln und auf dem Schlachtfeld einmal richtig aufräumen. Trotzdem sind die Kämpfe angenehm fordernd, und eine stupide Hau-drauf-Taktik führt selten beziehungsweise nur sehr mühselig zum Erfolg.

Leider erschwert die hektische und mitunter sehr ungünstige Kameraführung zeitweise das Kampfgeschehen ungemein. Vor allem beim Kampf gegen viele Gegner in engen Gängen oder zwischen Bäumen und Sträuchern ist die Übersicht oft nicht vorhanden. In der Gesamtbetrachtung machen die Kämpfe letztendlich aber sehr viel Spaß, und der Ärger über eine festhängende Kamera ist nach dem Sieg schnell wieder verflogen. Als episches Sahnehäubchen dürfen getrost die Stellen im Kampf bezeichnet werden, in welchen Noctis in brenzligen Situationen göttliche Hilfe erhält. Aber da wollen wir nicht zu viel verraten und deuten diese Höhepunkte daher an dieser Stelle nur an.

https://www.youtube.com/watch?v=qi_iq8h0eKM

Der Titel wartet mit weiteren durchdachten Spielmechaniken auf. So wird das Roadtrip-Feeling auch durch den dynamischen Tag-und-Nacht- sowie Wetterwechsel, die Notwendigkeit des Aufsuchens einer sicheren Unterkunft für die Nacht und durch die im Spiel ausgeführten Hobbys der Protagonisten sehr gut transferiert. So hat Prompto beispielsweise ständig den Finger am Auslöser und zeigt stolz vor dem Zubettgehen seine gemachten Fotos vom Tag, während Ignis mithilfe seiner Kochleidenschaft das Team mit Statusboni versorgt. Auch gesammelte Erfahrungspunkte können erst in Aufstufung und Talentbaum investiert werden, wenn die Party ein Nachtlager aufgeschlagen hat.

Und neben all dem Herumfahren, Kämpfen, Erkunden, Sammeln, Kochen, Angeln, Fotografieren etc. verkleckert sich die Spielzeit in rasender Schnelle. Wer natürlich mehr an der Story als am Herumstreunern interessiert ist, kann sich auch überwiegend auf die Haupt-Quests konzentrieren und die offene Spielwelt weitestgehend außen vor lassen. Denn ab der zweiten Spielhälfte gerät das Konzept der offenen Spielwelt komplett in den Hintergrund und die Story rückt dafür immens in den Vordergrund. Diese konnte uns zwar Final-Fantasy-typisch durchaus fesseln und bei einigen Höhepunkten auch schwer begeistern, im Detail und rückblickend merkt man dem Titel durch einige (zum Glück kleinere) Logiklücken und durch ins Nichts verlaufende Handlungsstränge leider doch die lange und bewegte Entwicklungszeit an. Diese kleinen Defizite werden jedoch mit viel Bombast – recht erfolgreich – kaschiert.

Wie es sich für ein Final Fantasy gehört, zieht die Handlung trotz kleinerer Schwächen enorm in den Bann, und vor allem der Hauptcharakter Noctis macht eine spannende und glaubwürdige Entwicklung durch, die sehr gut durch seine drei Sidekicks ergänzt wird. Technisch trieb uns der Titel hingegen mitunter regelrecht in den Wahnsinn. So verzeichneten wir beim Übernachten (natürlich vorm Schnellspeicherpunkt) den einen oder anderen Spielabsturz, und die Kamera versagte phasenweise ihren kompletten Dienst und ließ sich nicht mehr steuern, was in verschachtelten Dungeons sehr ärgerlich war. Unsere Teamkollegen kamen in den verschlungenen Höhlenlabyrinthen auch gerne mal abhanden und fehlten deswegen in folgenden Kämpfen, und die Interaktionspunkte machten uns mit ihrer Ungenauigkeit regelrecht verrückt. Anstatt mit einer Figur zu reden oder einen Gegenstand aufzuheben, lösten wir mit der gewünschten Interaktion immer wieder einen Sprung bei Noctis aus. Ein Bug sorgte sogar mehrmals dafür, dass Interaktionspunkte einfach komplett verschwanden und wir deswegen Missionen nicht beenden konnten, was sich erst durch ein erneutes Laden beheben ließ. Wenn das Spiel nicht so eine Sogwirkung auf uns ausgeübt hätte, hätten wir ihm diese Aufzählung echt übel genommen. Doch der Ärger über solch kleine Schwächen war jedes Mal so schnell wieder verschwunden, dass er bei unserer Wertung kaum ins Gewicht fällt.

Final Fantasy XV
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Jessica Rehse am 02 Jan 2017 @ 16:22
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