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Game of Thrones - A Telltale Games Series: Special

  Playstation 4 

Episode 4: Sons of Winter

Mit Episode 3 hat Telltales Game-of-Thrones-Epos zuletzt seine Mittelzäsur erreicht. Ab sofort bewegt sich die dramatische Geschichte um das Schicksal des Hauses Forrester langsam, aber sicher auf das Ende zu. Entgegen gewohnter Telltale-Manier jedoch besteht Game of Thrones aus sechs, anstatt der sonst üblichen fünf Episoden. Dementsprechend ist noch reichlich Freiraum, um inhaltlich auf das Finale zuzusteuern. Ob es klug war, die Erzählzeit zu strecken und so Gefahr zu laufen, dass die Inhalte an Intensität verlieren, wird sich uns wohl erst in Episode 5 offenbaren, denn Folge 4 zeigt zwar Schwächen, hat aber auch durchaus ihre Daseinsberechtigung im Seriengefüge.

Sons of Winter beginnt mit düsterer Stimmung. Gared ist an der Mauer alles andere als selbstbestimmt in eine ausweglose Situation geraten, aus welcher ihn nicht einmal Jon Snow retten kann. Wenn schon keine Hilfe für sein eigenes Schicksal in Aussicht ist, so hält er jedoch an dem Gedanken fest, dass eine kleine Chance für ihn besteht, den Untergang der Familie Forrester aufzuhalten. Diese liegt jedoch verborgen weit nördlich der Mauer, inmitten von Wildlingsgebiet. Gareds Handlungsstrang, welcher in der vorherigen Folge erfreulicherweise an Relevanz gewonnen hatte, verliert in Episode 4 leider wieder schlagartig an Tempo. Zum Glück ist das nicht bei allen Familienmitgliedern so.

Vor allem mit Mira werden wir im Intrigenspiel am Hofe von King's Landing richtig warm. Während einer Festivität bringen wir durch verstecktes Lauschen und geschicktes Handeln mit Informationen immer mehr Wissenswertes zu Tage. Je mehr wir uns jedoch in unser manipulatives Spiel verstricken, desto mehr – durchaus auch unerwünschte – Aufmerksamkeit ziehen wir auf uns. So haben wir permanent das Gefühl, mit dem Feuer zu spielen. Jede Information kann uns den entscheidenden Vorteil verschaffen, um unsere Familie zu schützen – oder aber dafür sorgen, dass wir unsere Anstellung als Zofe verlieren, King's Landing verlassen müssen und dann überhaupt nichts mehr in Erfahrung bringen können. Obwohl Miras Handlungsstrang der wohl actionarmste ist, so kristallisiert er sich jedoch langsam, aber sicher als der wohl spannendste heraus.

Game of Thrones - A Telltale Games Series Bild
Entgegen den Geschehnissen rund um Rodrik. Zwar hat dieser in der Verteidigung von Ironrath gleich zwei inhaltlich sehr wichtige Erlebnisse, wovon eines sogar das Potenzial zum absoluten Highlight aller bisherigen Episoden hätte – wenn Telltale sich da nicht einen erzählerischen Bruch erlaubt hätte. So befinden wir uns mit Rodrik während Verhandlungen mit dem feindlichen Haus Whitehill in einer heiklen Situation, welche kurz vor der Eskalation ist. Wählen wir eine ungünstige Antwortoption, bekommen wir doch tatsächlich den Game-over-Bildschirm zu sehen und müssen den Dialog neu starten, um nun "richtig" antworten zu können. Was war da los, Telltale? In dieser Szene hätte die Episode einen dramatischen Höhepunkt erleben können, so wurde dem Spiel jedoch schlagartig die Ernsthaftigkeit der Konsequenzen unserer Entscheidungen genommen. Für ein solches Spielkonzept ein herber Atmosphärebruch.

Glücklicherweise werden wir nach dieser unerwarteten Enttäuschung durch Ashers Handlungsstrang wieder ein wenig auf positive Gedanken gebracht, was jedoch nicht am Sprössling des Hauses Forrester selbst, sondern vielmehr an seiner Begleiterin liegt. Söldner Asher ist bereits seit Beginn der wohl blasseste Charakter des Episoden-Adventures, doch Kollegin Breskha bügelt dieses Defizit problemlos aus, da sie diesem Handlungsstrang – vor allem in dieser Episode – mit ihrer Persönlichkeit die entsprechende Tiefe verleiht. Zudem bricht dieser Abschnitt erfrischend mit dem stark dialogzentrierten Spielverlauf und es darf auch mal wieder aktiv gespielt werden, indem man sich in ein feindliches Lager schleicht und die Gegner mal mehr und mal weniger geräuschlos aus dem Weg zu räumen hat.

Fazit von Jessica Rehse (Xbox One)
Episode 4: Sons of Winter hat bei mir nicht ganz so ein gutes Gefühl hinterlassen, wie zuvor noch die drei Vorgängerepisoden. Alles in allem punktet die Folge weiterhin mit klasse Dialogen und unvorhergesehenen Geschehnissen, doch man spürt ebenso, wie es für Telltale anscheinend immer schwieriger wird, die Qualität noch zu halten. Das beweist meiner Meinung nach vor allem der deplatzierte Game-over-Bildschirm bei den Verhandlungen mit den Whitehills. Alle Handlungsstränge in dieser Episode kleckern mehr oder weniger vor sich hin, und den einzigen wirklich denkwürdigen Moment verbaut Telltale, indem dem Spieler die Illusion der Entscheidungsfreiheit mit der Keule genommen wird. Zudem sollte langsam, aber sicher auch das Texturproblem beseitigt werden. Zwar sehen Charaktermodelle und Panoramabilder ansehnlich aus, wenn man mit seiner Figur jedoch zum vierten Mal in Folge vor einem konturlosen Umriss namens Fenster steht, wird dieser Umstand etwas ärgerlich. Ich hoffe, dass Episode 5 auf dem Weg zum Finale wieder die Kurve bekommt. Sons of Winter ist nicht schlecht und fügt sich inhaltlich auch ins Gesamtbild ein, ist aber meiner Meinung nach die bisher schwächste Episode.

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Patrick Recknagel am 30 Dez 2015 @ 20:12
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