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PlayStation Vita: Special

  PlayStation Vita 

Die PlayStation Portable - für reisende Spieler die erste Wahl, oder doch nur der ewige Verlierer, von Nintendos Erfolg zur Handheld-Alternative degradiert? Die Verkaufszahlen jedenfalls sprechen für sich: Knapp 70 Millionen Einheiten der PSP haben ein Zuhause; dazu über 260 Millionen Spiele. Beeindruckende Zahlen. Doch Sony kann sich nicht ewig in altem Ruhm baden. Spätestens seit dem PSP-Go!-Fiasko brauchen die Japaner ein neues Zugpferd im mobilen Videospielsektor. Und eine neue Strategie: Weg vom plastischen Hosentaschenspielzeug, hin zum edlen Hardware-Schwergewicht. Ob Touchscreen, GPS-Modul, WiFi und 3G-Netzwerk, Beschleunigungs- und Bewegungssensor - die PlayStation Vita ist ein wahrer Alleskönner. Zumindest auf dem Papier. Wie gut die Technik funktioniert und ob die ersten Vita-Spiele Spass machen, konnten wir beim Sony-Event selbst herausfinden.

Vorhang auf für die PlayStation Vita

PlayStation Vita also. Für eine Videospielkonsole ein seltsamer Name. Und doch vermittelt er Kraft, Leben und Bewegung - eben jenen Schwung, den Sony so dringend braucht. Das Konzept des Überallspielens hat mit der PSP Go! nicht funktioniert. Niemand kauft Spiele ohne schmucke Verpackung zu Wucherpreisen im Onlinestore, wenn man diese nach dem Durchspielen nicht weiterverkaufen kann. Zumal man für das Gerät horrend viele Scheinchen hinblättern musste: Fast 250 Euro liess sich Sony das unkomplizierte Zockerlebnis kosten. Umsetzungen etablierter PS3-Spiele und Fortsetzungen bekannter Marken suchte man lange vergeblich, echte Kassenschlager sind nie erschienen. Das Todesurteil: Die PSP Go! setzte allein auf im PlayStation Network erworbene Abenteuer und weigerte sich, die bisher vertriebenen UMDs zu schlucken. Alle Faktoren zusammen - der hohe Startpreis, die Kundenbindung an den Onlineshop sowie die Inkompatibilität zu älteren Spielen - führten schliesslich zum unabwendbaren Kassenflop. Auch der Versuch, den Handheld samt einigen Games zum Spottpreis aus den Läden zu schleudern, steigerte die Verkaufszahlen nur kurzzeitig und änderte nichts am Endergebnis: Die PlayStation Portable hinkt selbst den Verkaufszahlen des alten Nintendo DS hinterher; Sony knabbert heute noch am angekratzten Ruf des Pleitedesasters. Zeit für etwas Neues. Zeit für die Next Generation Portable.

Auch die PS Vita pfeift auf die kleinen Silberlinge und greift auf Flash-Speicherkarten als Spielträger zurück. Der herkömmliche Bildschirm weicht einem Touchscreen; ein Multi-Touchpad befindet sich auf der Rückseite. Auch das kleine Steuerblättchen hat ausgedient: Die PlayStation Vita verfügt über zwei kleine Analogsticks, mit denen Kameraprobleme endgültig der Vergangenheit angehören dürften. Zudem erlaubt der Kraftprotz nun Verbindungen via 3G-Modem, und im Inneren schlummern ein GPS-Modul sowie unzählige Sensoren - die Technikliste ist beachtlich. Bleibt abzuwarten, ob Sony sich nicht erneut verkalkuliert. All die Features bringen schliesslich nichts, wenn kein Spiel sie unterstützt. Entwickler und Hersteller rühmen sich allzu gern mit haltlosen Theorien. Wir sind nach alldem, was wir bisher gesehen haben, immer noch skeptisch. Belanglose Minispielsammlungen, die sämtlichen Firlefanz von Sonys Technikliste abklappern, eignen sich hervorragend, um das Gerät mit all seinen Möglichkeiten zu präsentieren. Nicht aber, um einen 250 Euro (beziehungsweise 299 Euro für die 3G-Variante) teuren Minicomputer zu verkaufen.

Vollgestopft mit moderner Technik

Ähnlich wie der Nintendo 3DS - Sonys wohl gefährlichster Konkurrent auf dem Handheld-Markt -, bietet die PS Vita allerhand Spielereien und Applikationen für unterwegs. Near etwa, eine Funktion, die alle Zocker im eigenen Umfeld einzeichnet und das Kommunizieren, das Vergleichen von Statistiken, das Tauschen von Spielgegenständen, und anderen Mumpitz unterstützt. Sony buttert viel Energie in die eigens entwickelte Plattform mit besonderem Augenmerk auf Social Gaming. Und das soll sich lohnen: Wer viele Freundschaften knüpft, ergattert Extras wie Kostüme, Songs und Zusatzlevels; jeder kann dank Schneeballsystem vom jeweils anderen profitieren. Während die anderen Journalisten nach diesen Worten Beifall klatschten, hoben wir konsterniert die Augenbraue: Tummeln sich in deutschen Städten wirklich so viele PS-Vita-Besitzer, die mit permanent eingeschaltetem Gerät nach Gleichgesinnten Ausschau halten? Ersetzt das PlayStation Network schon bald soziale Dienste wie Facebook und Google+? Wirft in Zukunft jeder sein Smartphone in die Tonne, weil er ja ohnehin mit der PS Vita surfen, chatten und mailen kann? Im Ernst: Hierzulande - selbst mit der alten PSP - unterwegs auf fremde Mitspieler zu treffen, ist unwahrscheinlicher, als einen Sonnenbrand beim Höhlentauchen zu bekommen.

Aber wir wollen die nächste Generation mobilen Spielens nicht schon im Vorfeld verteufeln, denn was wir von der PS Vita gesehen und auf ihr gespielt haben, hinterliess überwiegend positive Eindrücke. Das Gerät per se liegt gut in der Hand - klar, an den Massen im Vergleich zum Vorgängermodell hat sich auch kaum etwas verändert. Das verbaute Material machte aber schon jetzt einen weit edleren Eindruck als die alte Plastikflunder. Das berührungsempfindliche Display überzeugt mit brillanten Farben, spiegelt aber nach wie vor. Dafür überzeugen die beiden Analogsticks: Nur das Umgreifen vom Knüppel zur gewohnten Vier-Knopf-Steuereinheit ist aufgrund des niedrigen Abstands etwas gewöhnungsbedürftig. Beim hinteren Touchpad können wir übrigens Entwarnung geben: Auch mit kleinen Händen ist die Navigation über die glatte Oberfläche kein Problem.

Über 30 Titel sollen zum Verkaufsstart des mobilen Flaggschiffs angeboten werden, viele davon haben wir bereits angespielt. Im Folgenden stellen wir das Gros der Spielauswahl vor und schildern unsere Erfahrungen nebst Ersteindrücken. Eines können wir jedoch schon jetzt verraten: Optisch sind alle Spiele eine Augenweide. Allen voran potenzielle Kassenschlager wie Uncharted - Golden Abyss und Resistance - Burning Skies. Scharfe Texturen, satte Farben und eine Auflösung von 960 x 544 Bildpunkten kommen dem Dargebotenen einer PS3 überraschend nahe. Es ist schon erstaunlich, was grafisch alles in eine Hosentasche passt. Zumindest in dieser Hinsicht ist die PS Vita dem Nintendo 3DS - auch ohne 3D-Display - haushoch überlegen. Aber eine Konsole - und eben auch jene für die Hosentasche - ist allenfalls so gut wie ihre Spiele. Und die PS Vita scheint hierbei sowohl Gelegenheitsspieler als auch Fans tiefgründiger Daddelkost nicht zu enttäuschen.

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Mirco Kaempfer


 
Mirco Kaempfer am 21 Sep 2011 @ 08:40
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